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Glück
Zweites Kapitel
Nur vielleicht in den meisten melancholischen Romanen weint man, aber hier weint niemand. Es ist verboten. Nein, an dieser Klotür lacht kein Schild: Weinen verboten! Aber egal. Magda ist schon zu Hause. Ich verstehe nicht, kann sie einfach zu ihrem Mann gehen? Ja. Valeri ist weg. Nein, beide sind noch nicht tot, aber beide sehen fremd aus und wollen weg. Zu Hause haben sie einen bunten Kanarienvogel, der jetzt zwitschert. Magda lacht. Anna, wo sind deine Brillen? Sie habe ich alle in den Koffer gelegt, schon in der U-Bahn, in Paris. Weißt du? Ich will in dieser Stadt bleiben und das Leben genießen. so. Einfach. Aber Papa will mir nicht helfen. Dein Papa tut alles richtig, was er sagt, muß kein Gesetz sein, aber er ist älter als du und weiß besser, was seiner Tochter gefällt. Bist du sicher? Ja. Aber ich will endlich meine eigene Karriere haben, manche Studios sind an meinen Fotos interessiert. Ich wollte in Paris bleiben. Scheiße. Wo sind meine Schuhe? Keine Ahnung. So, ich gehe kaufen. Telefoniere einfach mit deinen bekannten Verkäufern, schenk ihnen ein Geld, warum machst du alles so schwierig? Nein, das macht mir Spaß, wenn ich einkaufen gehe, du verstehst mich nicht. Du verstehst mich nicht. Du bist einfach sehr unbarmherzig: nicht immer kann Valeri sein Geld ausgeben, wie du immer willst. Weißt du, was er tut, wie er arbeitet? Diesen Kapitalismus hat er nicht geschaffen. Er ist auch ein Opfer. Was kann er ohne Geld tun? Ja, er ist ein Millionär, das stimmt, aber sechzehn Millionen GEL sind nicht sehr viel. Weißt du Leute wie viel Geld haben? Nur in einer Nacht kannst du dieses Geld verlieren, wenn du nicht sehr aufmerksam bist. Dieses Tempo ist von mir nicht erfunden. Nicht alle Menschen können soviel ertragen. Zum Beispiel, ich kannte vor zwei Jahren einen Maler. Er wollte seine eigene Gemäldegalerie öffnen. Sein Vater ist auch ein Millionär und will seinen einzigen Sohn menschlich erziehen, nicht so, wie er bis heute tut, trotzdem sein Vater keinen Wunsch hat, ihm zu helfen. Willst du auch mit den Pinseln in der Hand stundelang Dummheiten malen? Wir wollen unsere Kinder so erziehen, daß sie richtige Richtungen sehen. Aber du hast keine Kinder, sagt Anna. Mir gefällt Picasso. Seine Bilder habe ich in Paris, in dieser Kulturmetropole gesehen und sie sind einfach fantastisch. Wow. Was bedeutet das, wow, Anna? Ja, wow. Uh. Was soll das? Pfeifst du nicht darauf, was ich sage? Nein, noch nicht. Dich soll man im Zoo verlassen, einsperren und vergessen, daß du in dieser Welt lebst. Mich? Mich? Willst du, daß ich deinen Papi anrufe und sage, wie du in Paris mit deinem Amerikaner (Fidelio oder wie er heißt, dieser Amerikaner, verdammt, dessen Fotos du in deinem Koffer, in der Tasche hast) getanzt hast? Ha, willst du? Arschloch. Er wollte mich auch ficken, aber ihm zeige ich sofort meinen gelben Schwanz (den ich jetzt im Koffer habe) und er: weißt du, was er tut, dein Fidelio? Mein Schwanz ist aus Fleisch produziert, so sagt er und noch seine feuchte Hand auf meine Hand legt. Das gefällt mir besonders nicht und wenn jemand so tut, will ihn erschießen. Nur ein Buch und ist der schöne Mann nicht mehr am Leben. Bist du keine Jungfrau? Ich? Lächerlich. Weißt du nichts? Weißt du wirklich nicht, was ich in London getan habe? Den Prinzen William wollte ich kennenlernen, aber ein Soldat sagte, mit seinem schrecklichen englischen Akzent, nachdem ich gekommen war, um ihn zu besuchen, den Prinzen William: Girl, was suchst du, hier ist nicht dein Platz. Arschloch. Meine Urgroßmutter war eine nach der Revolution ausgebürgerte und abgeschobene Gräfin. Weiß ich, das hast du mir schon hundertmal erzählt, das weiss ich ohnedies sehr gut. Ja, wie glaubst du, hab ich kein Recht, ihn zu heiraten? Wen?, ihn? William. Ani, bist du ganz verrückt? Wozu brauchst du diesen künftigen König? Bist du Britney Spears? Sie rennt hin und her so, weißt du, sie hat Komplexe, daß sie nur eine Amerikanerin ist und nichts und niemand mehr. Dein Blut ist kein Mineralwasser. Deine Abstammung ist heilig. Was? Mein Urgroßvater (nicht meine Urgroßmutter, wie in deinem Fall, sondern mein Urgroßvater!) hatte Fabriken in dem ganzen Kaukasus und nicht alles ist im Arsch, nach der Revolution. Er kannte viele Kommunisten, Joseb Dschughaschwili (Stalin, damals war er nur ein junger Mann und verbreitete seine Zeitungen illegal, er wohnte in Avlabari, in fünfzehn Kilometern von hier, in diesem Bezirk, wo nur Juden und Armenier sind), er, Kommissar der roten Armee. Aber ich will jetzt nur meine Freundin, Nanka Gabriellaschwili Anrufen. Hallo? Wie geht‘s? Kannst du zu mir kommen? Ja, aja. Ich bin so, sehr allein und will, daß mich jemand besucht, ich will dich zu Gast zu mir einladen, komm, kannst du kommen? Ist Anna zu Hause? Ja, aber du weißt sehr gut, wie wenig sie spricht (ich weiß nicht, warum?). In einer Halbstunde treffen sie einander. So schnell? Beide sind gezwungen, zu schweigen, sie sind nein, nicht tot, aber glauben, daß sie schweigen müssen, weil das auch verboten ist, weil Sprechen auch so intim ist, wie Denken oder: sie wollen, daß jemand anderer spricht, indem sie schweigen. Und das ist auch nicht nur meine Meinung, sie wissen, daß was kostenlos ist (lies die wichtigsten Werke von Elfi Jelinek), ist sehr schlecht, und die Menschen können unverhindert Tiere werden, weil die Sprache ist es, die wir, die Menschen im Unterschied zu unsren anderen Brüdern und Schwestern haben, obwohl wir nicht stolz sein können, daß wir sprechen können, keine Autoritäten braucht die Sprache, wie z. B. Denken manchmal ohne Gedanken, Wörter auch möglich ist, sie ist schneller, unsre Intuition, aber ohne Wortschatz nicht reich und verständlich, aber unsere Integrität, die wegen der Nationalität (und nicht der Sprache!) jetzt ganz unter jeder Meinung liegt, und die ich vermeiden habe, weil ich, wie Sie sehen, nur ein Georgier bin, Hochdeutsch nie gesprochen habe, aber ich verstehe alles so, wie ich will und Sie verstehen auch alles, was ich schreibe. Lächerlich, daß ich, trotzdem Deutsch niemals gesprochen habe (hier ist das auch verboten, ja, Georgisch kann ich sprechen, aber Deutsch nicht, weil wenn jemand Deutsch spricht, provoziert es ein sehr negatives Interesse; ich bin existenzialistisch sehr arm und man will nicht gestehen, daß wenige Persönlichkeiten stundelang sprechen, denken, hören, aber jedoch sehr arm sein können, das muß nicht gezeigt werden, nirgends, hier, weil diese Tatsache zeigt sich selbst an. Das weiß ich, weil ich hier lebe und die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland, Österreichs, der Schweiz geben mir kein Schengen-Visum, weil das mehr als $ 5000 kostet, alle Urkunden müssen zuerst gesammelt und dann beglaubigt worden sein, ich erziehe keine Kinder und sie ärgern sich auch über mich, was ich nicht verstehe. Macht nichts. Sprechen Sie auch zu viel, egal, wieso das, über welche Ereignisse, aber, schweigen Sie nicht, das kann ich Ihnen empfehlen, viel Sprechen ist nie zuviel, wie z. B. Viel Lachen oder Weinen oder viel Sex, sonst wir sind, die Menschen in diesem kläglichen Universum sehr wenig, und können bald aussterben, was ganz möglich ist. Ganz möglich.
Wo befindet sich jetzt Valeri? Er ist in einem Bierlokal, nicht weit von seiner Luxusvilla und trinkt Wein. Er besucht heute Freunde, sitzt am Tisch und sagt gewöhnlich nichts. Seine Gedanken drehen sich ums Geld, wie die Erde sich um die Sonne dreht, und dringen in diese seltsame Materie zu tief ein. Er attackiert, die ganze provisorische Menschheit. Wieviel Energie hat ein Mensch, daß er immer an diesen schweren Panzer, wie eine Schildkröte, während des langsam wirkenden kalten Krieges denken kann?, weil er mobilisiert ist und ähnliche Maßnahmen kulturell und geschmackvoll findet? Aber die Unterdrückten können einmal meine Gegner werden, nur ich habe Recht, sie zu vergessen, und jedes Detail ihres Lebens zu wissen. In Oxford ist es auch so, noch einen Rechtswissenschaftler haben wir im Lande, dessen Diplom mit seiner glanzvollen Bedeutung alle verstehen. Gute Ausbildung braucht keinen Ausweis, aber wer ihn hat, diesen Schein, kann an jeder Wahl teilnehmen und seine Kampagne rechtzeitig organisieren und keinen anderen Schein brauchen. Keine Frau braucht er jetzt, sie stinken, die Frauen, die ihm bekannt sind, und er hat ein großes Interesse nicht an ihnen, sondern an dieser kraftvollen Erscheinung des Charakters. Im Auto ist viel Benzin, diese Reserve ist nicht so still wie Frauen, Armen oder Kinder, die solche Tiere bemitleiden und gänzlich seinem Projekt unterworfen sind, aber sie sind nicht gefährlich, bevor sie noch unter seiner Kontrolle stehen, sitzen oder: liegen. Durch die nassen Scheiben seines Autos sieht er eine russische Kirche, die im Namen der sogenannten heiligen Barbara, im 19. Jahrhundert gebaut worden ist und trotzdem viele Russen leider auch Orthodoxen sind und oberflächlich an Jesus Christus glauben, er verabscheut sie, die russen und seinen Hass, wie ein Echo wiederholen Russische Mädchen wie ihre ganze Bevölkerung, die an alles glauben, was im Fernsehen geplaudert wird, nicht wissen, wie reich, jung und sympathisch dieser Georgier ist, sonst hätten sie ihn geliebt! Persönlich ihn interessieren sie nicht, weil die sogenannte russische Schönheit schon aus der Mode gekommen ist. Die ganze Sache liegt darin, daß von den Kommunisten in meiner schönen ehemaligen Heimat, der Sowjetunion es verboten war, Pornographie zu sehen und er musste seinen Videorecorder damals immer in der Mansarde einschalten, nackte Wessis besichtigen und seine kläglichen jungen Körperteile nur so erregieren. So entsteht der Hass, dem in der Öffentlichkeit von ihm verschiedene Richtungen gegeben werden. Seine Finger bekreuzigen sich, weil ihr Herr unsterblich werden will. Kreativ ist es, diese Form, weil das ihm direkt am Steuer gelingt. Er will Kinder haben, was der Magda nicht gefällt, die ganz feminisiert ist und gleichzeitig ihr ganzes Wissen leider verhüllt. Wesentlich hat man nichts zu tun, nur wiederholt heimlich Valeri den heiligen Namen seines einzigen Gottes, der überall in der christlichen Welt seit vielen Jahrhunderten klingt.
Zu Hause bemerkt er Nanka, die ihm sehr gefällt. Leider hat er viel zu tun. Sie ist schon zwanzig und in diesem Alter sind die Frauen schon sehr alt, aber sie, diesen süßen Augenblick des Lebens will er noch nicht verlieren. Beide trinken Kaffee und sitzen am Tisch und als Nanka ihn nicht anzusehen versucht (in Georgien sogar Millionär dürfen manchmal, wenn sie nicht zahlen, die Frauen nicht ansehen), lässt den Kopf hängen, dann steht schnell auf und sagt etwas sehr leise. Nein, er ist nicht böse, Valeriko, wo warst du mein Schatz? Ach, wieder diese Pressekonferenzen und Tagungen! Besonders dieser Kerl gefällt mir nicht in dieser Zeit, wie er heißt? Ein magerer Typ, der uns in der Disko begegnet hat. Ah, ja, David. Was hat er getan? Nichts. Er ist immer so frech, als wäre mein Vater. Weißt du, was für Fragen er mir stellt? Er interessiert sich an meiner Tasche. Woher hast du soviel Geld? Diese letzte Frage hat mich besonders böse gemacht. Die Journalisten tun nicht so. Ich hatte ihn gefragt (selbstverständlich nach der Pressekonferenz): und du, willst du, daß ich dir zeige, wo dein Platz wirklich ist? Er lachte und schwieg. Warum bist du so streng, ha, mein Adler? Magda kommt zu ihm und setzt sich auf sein rechtes Knie, ist Spezialist in seiner Sache, er ist ein guter Fachmann und dich liebt auch sehr. Ah, Spezialist! Was wichtig ist, mich, liebt er! Ich brauche schon keine Liebe mehr! Alle schweigen, trinken schon Tee und essen Marmelade, was Valeri lächerlich findet, weil sie seine neue Schokoladenfabrik in Paris produziert, in der georgische Asylanten, Litauerinnen und Serben arbeiten. Neger verabscheut er, trotzdem er Naomi Campbell persönlich so oder so erträglich findet. Er sagt: Recht und Geld reisen ohne Visum durch die Welt. In welchem Monat ist dein Geburtstag? Fragt er Nanka. Im Mai. Warum hast du bis heute kein Auto? Papa findet es nicht notwendig, mir etwas zu kaufen. Wenn ich etwas zu tun habe, fährt er mir selbst, wohin ich will. In unserer Zeit soll jetzt jeder sein eigenes Auto haben, sagt er. Ich einem Monat verspreche ich dir ein schönes eisernes Pferd. Nein, nein, Danke! Ein so kostbares Geschenk kann ich nicht nehmen, sagt sie. Magda droht ihm mit Augen, aber Valeri lacht sorgenfrei und zeigt ihr eine schwarze Peitsche hinter Nankas Rücken, die er manchmal nicht nut im Bett schwingt. Wo ist Anna? Sie ist wieder in ihrem Studio, dann im Solarium möchte sie bleiben. Hat sie heute Hausaufgaben gemacht? Ich weiß nicht, antwortet Magda. Ja. Alle Mädchen wollen heute mindestens Filmschauspielerinnen werden oder Topmodellkarriere machen. Wo dreht man so viele Filme und wo gibt‘s so viele Studios? In Paris ja, kann sie arbeiten, aber lernen muß sie auch, unbedingt! Ich sage ihr, er wendet sich zur Nanka: Mädchen, warum verwechselst du alle Fakten und Leute miteinander? Du bist sehr reich, studiere Betriebswissenschaft und leite dann meine Fabriken. Und viele eigene Studios wirst du auch haben. Warum willst du alles tun, wie eine schmutzige Dörflerin das immer tut, die diese Sache von Null anfängt und ihren Arsch den Fotografen zeigt, die sie Tag und Nacht ficken, ihre Rufnummer den Polizisten geben, die sie ihrerseits auch ficken und nicht nur ficken (verzeihe mir, Nanka!)? Scheiße, sie ist mein Mädchen! Ich werde nicht immer so jung, wie z. B. jetzt, aber das will sie nicht verstehen. Wir haben keine Phantasie, weil wir sehr viel an unsere Sachen denken, aber die Leute können jedoch nichts verstehen. Sie wollte diesen verdammten Vertrag hier, in diesem Lande unterschreiben, wo alles im Arsch liegt. Ich weiß nichts. Ein Mann sagt mir, vor drei Monaten. Ich zitiere: deine Tochter arbeitet hier. Was? fragte ich ihn natürlich. Weißt du, wer ich bin? Nein. Sehr schlecht. Geh sofort, so sagte ich ihm. Meinen Freund im Parlament rufe ich an und erfahre: das ganze Gebäude gehört dem Rostom Z., der uns vertreten muß, meinem Stellvertreter. Valeri lacht. Und das Gebäude muss ich sofort zerstören und ihren Vertrag zerfetzen. Anna ist meine Tochter und sie muss sich nicht mit diesen schmutzigen Fragen beschäftigen. Und die Sache der Mode ist schon nicht mehr modisch. Einfach, ja? Aber diese Designer wollen auch etwas so blitzschnell tun. Valeri lacht wieder und ist Schokolade. Nanka ist unzufrieden, sie hat ihre Fotos vor zwei Wochen nach Paris geschickt, aber weil er sehr reich ist, sie lacht auch und stimmt ihm zu. Sowohl innerlich, als auch äußerlich. Ich und meine Firma leben ewig, besser gesagt, unser System lebt ewig, weil wir besser in dieser herrenlosen Gegend adaptiert sind und so wollen wir auf der Höhe unserer wichtigsten Entscheidung bleiben, ich und meine Frau, beide und auch meine anderen Frauen. So geht es. Deinen Vater kenne ich sehr gut, er ist mein guter Freund und Partner, Nanka. Im Vergleich zu mir ist er körperlich nicht so stark, stundelang sitzt er in seinem Büro, aber ich sitze manchmal auf meinem Motorrad und fahre, aber das tue ich nicht hier, in Tiflis. In dieser Stadt kennen mich viele, die mich auf keinem Fahr- oder Motorrad sehen müssen, aber es ist ökologisch ganz ungefährlich, und ich denke an diese Natur, die unter meinem Befehl ihre Söhne und Töchter mir als Asylanten schickt. Nur auf Mallorca, auf der Insel der ewigen Sonne, der Sonne, die immer untergeht, aber an jedem Morgen wieder fleißig aufgeht, will ich mich mit diesem ganz harmlosen und der Gesundheit dienenden Sport beschäftigen. Es ist schon Abend, ich bin zu müde, weil ich auch ein Mensch bin und spreche so, wie meine Freunde, gewöhnlich, aber das ist keine gute Gewohnheit, aber das ist meine Gewohnheit. Ich bin müde, sonst hätte ich so nie gesprochen. Ja. Sogar wir können müde sein. Es gibt keine Persönlichkeiten, die ich kenne und die mir gefallen. Leider aber hier in jedem Supermarkt hätte ich sie gekauft, getötet und dann in meinem Kühlschrank aufbewahrt, wie Puppen oder Mumien. Nur Teddys können Magda und Anna leider gerne kaufen, aber sie haben wen? Mich! Wir werden einmal auf dieser schönen Insel, auf der ich und meine Kollegen uns erholen und auf der keine armen KünstlerInnen erholen können (eigentlich, wozu brauchen sie das? Ihnen steht die Ewigkeit zur Verfügung und sie sollen so nie sprechen, über ihr Schicksal (was sie eigentlich nicht haben), nie schreiben oder noch etwas mehr tun: Filme drehen. Das ist auch keine männliche Sache, trotzdem mir keine Filme gefallen, weil sie wirklich hässlich sind), naja, diesen Müll, die Kunst und ihre unmittelbare Bedeutung wollen wir genießen, darum geben wir zahlreiche Chancen und bzw. viel Geld denen, die uns treu bleiben, auch heute, als wir das nicht bemerken können. Und unsere armen Studenten fragen: warum gibt es Studiengebühren?, zu naiv, sie studieren, aber wir haben keine Arbeitsplätze für sie, es tut mir wirklich leid, 5000- oder 6000 GEL können sie noch ertragen, das ist keine große Summe, nicht so viel, wie sie meinen, soviel Geld geben wir aber nur denen, die und treu sind und ich und meine Freunde geben diese Summe (ca. 6000 GEL) nur in einem Restaurant und nicht irgendwo in einem fremden Lande, sondern hier, in Georgien und nur an einem schönen Abend aus, die unsere Studenten, also, meine Studenten (weil ich auch, wie sie wissen, honoris causa bin, und manchmal Vorlesungen halte) leider oft in einem Jahr verdienen müssen. Nicht nur Fashion-Weeks können uns eine gute geistige Wärme garantieren, sondern auch sie, die Universitäten. Manche von ihnen stammen aus sehr armen Familien aus, denen Eltern nur 100- oder 120 GEL monatlich haben oder sie auch nicht haben, aber dieses Geld brauchen auch wir (Nahrung, Verpflegung, Wohnung etc. werden auch berücksichtigt), und unsere Banken und privaten Sparkassen stehen irgendwo im Halbschlaf, sie sind lebhaft, immer alt aber jung, alle Dimensionen, wie Blutkreislauf in jedem modernen und entwickelten Organismus, der im Unterschied zu diesen Rentnerinnen, Studenten, allen mageren Nichtshabenden und / aber Spaßhabenden (eigentlich glaube ich nicht, daß sie noch lustig sein wollen, aber die simulieren das, was wir dann gerne berücksichtigen und wie Wasserpotential gegen arme und trockene Felder richten und sie glauben noch daran, daß sie wirklich glücklich sind). Und das ist alles unsere, meiner Meinung nach, gut florierende Wirtschaft unserer trockenen Familien, unser Wirtschaftswunder, von dem sogar unsere reichen Nachbarn schwärmen, und diesesw Wunder bleibt so, wie in einem Lazarett: Knochen bleiben im Wasser, Beine, ja, im Wasser, Hände, ja, im Wasser, Lippen ja, im Wasser, Nasen ja, im Wasser. Unser sog. Land ist unabhängig, aber uns ist das nie genau erklärt worden, weil unser Wortschatz beschränkt ist, göttlich, weil nur Götter schweigen, Toten schweigen aber nicht, sie können wir manchmal zu Hause sehen, wenn es dunkelt, unsere verwirklichten Erinnerungen, wie in einem schönen Hollywood-Film, und Georgische Touristen wollen im Westen um Asyl bieten, die unsere Journalisten suchen und dann unserer schweigsamen Georgischen Bevölkerung erklären, daß sie schuldig sind und daß z. B. die Österreichische Regierung Georgien als Beitrittsland zur EU ablehnen kann, weil sie hungrig sind und bzw. schuld haben, wie diese Journalisten schreien, denen wir auch genug Geld geben, damit sie so vital schreien. In Österreich, in diesem kleinen, schmutzigen Alpenland, dessen Mädchen, wie unsere Jungfrauen nur ans Geld denken (vielleicht, soll man das Gold schmelzen und ihnen in dieser Form eingurgeln geben, wie unsere heilige orthodoxe Inquisition im 12. Jahrhundert tat, und sie sind selbst noch wie Zangen in den Händen ihrer Regierungen, diese schönen Blumen; bis heute, unsere Georgische orthodoxe Kirche ist auch ihr Nest, sie kontrollieren, diese armen Männer, auch jedes Blatt, das nur ein bisschen Erotik enthält). Die Bevölkerung braucht Jesus, und wir wollen ihnen unsere Bilder geben, sogar Georg W. Bush, im Namen dessen nur eine Straße in meiner alten und gastfreundlichen Hauptstadt getauft worden ist. Unser neuer Präsident, dessen Volk schweigt, trotzdem sie noch nicht tot sind (oder sind sie schon tot und wollen das nicht wissen?), ist auch sehr dankbar. Suchen Sie sie nicht, bitte, suchen Sie uns nicht, suchen Sie keinen Präsidenten und Oberbefehlshaber. Und unsere Studenten onanieren gerne, sie sind nicht daran gewöhnt, daß jemand ihren Hunger stillen soll, nein, niemand soll ihren Hunger stillen, nur meinen Hunger sollen sie unbedingt stillen, weil ich reich bin und weil ich alles tun kann, was ich will. So. Jetzt schließen Sie die Augen und denken an etwas, denken Sie an etwas Schöneres, als meine goldene Uhr, die schon unsere einzige richtige und genaue europäische Zeit zeigt, die uns den Beitritt zur NATO und dann der EU verspricht, in Afghanistan sind unsere Truppen, ja, im Irak sind unsere Truppen, ja, in Kosovo sind unsere Truppen, ja, das stimmt alles, die stiften unseren ewigen Frieden, also, ich meine, unseren ruhigen und friedlichen Frieden, sie sind in guter Laune, wenn amerikanische Stars sie besuchen und die sie in der Armee hautnah kennenlernen können, die vielen anderen jungen Männern und Frauen, die sie nur zu Hause, im Fernseher oder im Kino sehen, unmöglich ist. Tatsächlich sind die Armen ganz besiegt, sie flüstern doch Amin!, in unseren Kirchen, weil für jede Altbausanierung wir Millionen ausgeben, und das tun wir gerne, gut, und sind so originell, wie andere Regierungen in allen anderen Ländern, nein, nicht so originell, weil es typisch Georgisch ist, was ich jetzt sage, wie unser Klima, wie unsere Luft, Bäume, Tiere oder Menschen. Keine Visionen haben sie natürlich, nur Priester (die überhaupt im Durchschnitt monatlich 650 GEL verdienen (nicht so wenig, wie unsere Pensionisten (76 GEL), die sie vor dem Tode beruhigen) und nach jedem 23. November, der der Tag des heiligen Georg und bzw. der rosa Revolution ist (das ist nur ein Zufall! Aber nein: der heilige Georg hilft uns, bitte, das nicht vergessen), kaufen neue PKWs in der Bundesrepublik Deutschland und ficken stundelang Nutten im deutschen Sprachraum, so, was, überhaupt in diesem EU-Land wie gewöhnlich zu teuer ist. Bitte, suchen Sie uns nicht, wir sind schon in ihren Meinungen und sogar schon Reflexen eingewurzelt, zu tief, und keine hochentwickelte Sprache kann diese barbarische Unterdrückung genau definieren (weil wir nicht so raffiniert sind, ich soll gestehen, wie z. B. jemand im Abendland), das weiß ich genau und ich bin froh, weil wir keinen guten Schriftsteller im Lande haben, sonst hätte ich ihm mein Paradies gezeigt und entweder Geld oder Rufnummer der Frauen gegeben, die unter unserer Kontrolle stehen, ihm ihre warme Liebe oder nur wenige Chancen geben, weil ich mir hier keine Pornographie vorstellen kann, was ich so verstehe, wie ich will; ohne Geld ist nichts möglich, sie braucht nur einfach genug Geld, wenn unsere Frauen nackt sind, muß jemand ihre Körperteile (?) unbedingt sofort kaufen. Aber unsere Kirche gefällt mir auch nicht, unsere Kirche will ich zerstören, wie das Stalin getan hat, und der Bevölkerung meine Persönlichkeit schlucken geben (ich bin unsterblich und es gibt keine Gefgahr, dass ich erschöpft werden kann), aber Ihr, die Frauen sollen mir bei dieser Sache helfen; nur jetzt verstehe ich Wichtigkeit der Shows, jede meine Frau darf der Bevölkerung jetzt schon ihre reizvolle Brust zeigen, das ist schon kein Problem, nicht nur Beine oder ihren verhüllten Arsch, sondern jetzt nur Brust, unter der Sonne, diese Küste, die selbst noch zahlreiche andere Grenzen zieht, und Onanismus, Infantilismus und Voyeurismus (aber nicht sehr vulgär, geschmackvoll) provozieren kann. Das ist doch nur Georgien, oder? Aber ein Asylsucher ist kein Asylant, ihn kann man in jedem einzelnen Abendland und in dem ganzen Abendland verhaften und in einer Zelle stundelang schlagen, genaue Anweisungen oder Beispiele können sie in den alten heiligen und vollkommenen Schriften der katholischen Inquisition finden, ja, zuerst lesen, dann schlagen. Schlagen. Schlagen. Schlagen. Schlagen. Schlagen. Diese Polizisten sind ja, keine Menschen, sie sind Schweine, ich kann ihnen nur ein bißchen Trinkgeld und dann noch etwas schlucken geben und dann nur konkret unseren Botschafter in jedem einzelnen Land (z. B. In Frankreich, wo sich um mein Geld die Gesellschaft dreht) anrufen; global denken und lokal handeln ist mein Motto, in dieser globalisierten Welt haben sie nämlich keine Chancen, sie kommen zu mir, diese Asylanten und ich gebe ihnen Arbeit und sie sind froh, sie sind bereit, alles zu tun, sie tun alles, diese Asylanten, aber diese armen Menschen sind nicht immer bereit, in ihre schöne Heimat zurückzukehren. Aber wenn ein Land einen Asylsucher abschiebt, wie geht es? Ist Hitler wirklich tot? Ja, das stimmt, aber nicht theoretisch. In jeder Theorie unserer hochentwickelten und sehr demokratischen und humanistischen Gesellschaft ist er nicht tot und warum sind diese armen jungen Leute so, erschrocken, wie vor dem Tod, wenn sie aufwachen (bitte, uns nicht aufwecken), wie ihre Träume, leer, wenn jemand ihnen im Flughafen gute Reise und viel Erfolg wünscht?.. Das weiß ich nicht, vielleicht, haben sie keinen Platz hier, in Georgien und unsere christlichen Frauen können sie auch nicht beruhigen, befriedigen, weil sie Promiskuität selbstverständlich geschmacklos finden und selbst so interessant sind, wie süße TV-Werbungen, und weil sie meine Waffen so sind, daß sie davon nichts wissen können. Und das funktioniert. Und das funktioniert gut. Super. Nicht am Geld, sondern nur an der fleischlichen Liebe haben sie Interesse! Glauben Sie mir, sie brauchen kein Geld, und das können diese Gesellschaften nicht ertragen, trotzdem sie alt sind, aussterben und keine künftigen Generationen mehr haben können, haha, sogar sie können sie nicht ertragen, trotzdem sie langsam aussterben, stellen Sie sich das vor!, wie dörflich und rassistisch sie sind, weil sie diese jungen Leute beneiden, die das genießen können, was sie während der Nazi-Zeit nicht erleben konnten: die fleischliche Liebe brauchen sie nicht, wie sie sagen und sogar denken so. So. Das ist ziemlich lächerlich. Mein Großvater, Generaloberst roter Armee hat die Nazis besiegt, vernichtet, aber ihre Theorien kann niemand vernichten, vielleicht, sie sind noch etwas mehr, als einfach Theorien. Sie gefallen mir eigentlich auch sehr, sind nicht strukturell so kompliziert und zärtlich, wie das Leben, das ich eigentlich hasse, aber genau deswegen sind sie so verständlich und erträglich. Hier handelt es sich konkret um keine Religionsfragen, sondern konkret ihre örtliche Rezeption, der der georgische und christliche Patriotismus zugrunde liegt und jemanden (aber nicht mich) zugrunde richtet, also, kurz gesagt, gut vernichtet. In jedem patriotischen Lager sehen die jungen Leute glücklich aus, ich weine immer, wenn ich sie sehe, sie lieben ihr Vaterland, das primitiv ist und ihnen immer mir der Peitsche und den abendlichen Karnevalpartys der dafür ausgebildeten Polizisten droht (in Kutaisi befindet sich unser kleines Lager, das kewin KZ-Lager ist, gerade neben dem Informationszentrum der NATO) und ihr Eigentum und ihre Zeit, wie etwas wirklich Wertvolles, konzentriert, wie unser Wasserkraftwerk in Abchasien, alle ihm zur Verfügung stehenden Agrarflächen, und das ganze ihm zur verfügung stehenden Wasser manchmal. Und hier gibt es in dieser Stadt immer etwas Neues, wie ein bißchen Honig auf Butter, was eigentlich am Morgen sehr gesund ist. Blitzschnell reagiert mein Geist auf alles, was hier passiert, nur aber kein Joch kann diese ganze Generation des Kriegsgottes abschütteln, sie wollen, glücklich bleiben, dann aufstehen und sofort in ihre dunklen Häuser fahren, wo sie kein warmes Wasser haben, aber ihren Eltern Hoffnungen bringen, daß sie einmal Präsidenten mindestens einer Baufirma werden. Besonders die Universitäten werden von uns kontrolliert: werden Sie mir nicht glauben, aber 250 000 GEL geben wir jährlich den Vorsitzenden der freien Studentenverwaltung an der T. Universität, die dieses Geld immer so ausgeben, wie sie wollen, besuchen, am meisten Nutten oder kaufen im Westen neue PKWs, die sie auch zu diesem Zweck brauchen, weil sie kostenlos nichts zu erleben glauben, aber das ist nichts, Millionen werden zur Finanzierung der Theaterwissenschaft in jedem Jahr vorgesehen und in jedem Theater beobachtet der Kulturminister die Regisseuren, eigentlich zu streng, die seit vielen Jahren das auf die Bühne bringen, was ihm gefällt, nur ihm, kein einziges interessantes Theaterstück dürfen sie auf die Bühne bringen, die blöden Regisseuren, alles wird von ihm kontrolliert und was ihrem Willen nicht entspricht, können sie natürlich auch nicht ertragen. Das ist ganz normal. Aber Sie sind beide Frauen, das können Sie nicht verstehen, wie zum Beispiel ein Mann das verstehen kann, aber können Sie mir erklären, warum? Nein, ich spreche zu viel, weil hier mich niemand stören kann, in meiner Wohnung, Sie sind daran interessiert, daß ich viel spreche, daß Sie mich besser kennenlernen, Sie finden alles Ihrerseits normal, was sich sage, weil ich ein erfolgreicher Mann bin. Es ist besonders angenehm, ihre Augen zu sehen, zu sehen, daß sie mich verstehen können, es ist auch nicht schlecht. Ich meine, weder schlecht, noch gut, weil ich nicht weiß, was gut und was schlecht ist, das muß niemand wissen, schon nicht. Meine Parteimitglieder stehen auch hinter mir, Millionen stehen hinter mir, tausendmal wiederhole ich das, weil die Menschen lieben, wenn jemand etwas wiederholt, und das weiß ich auch nicht, warum? Deinen Vater kenne ich auch gut, Nanka, wir unterhalten uns stundelang, in ihrer Wohnung, am Klavier sitzend, bewegungslos und wollen alles ändern, damit diese Natur uns mehr Profit gibt, als jetzt, was ganz möglich ist. Ich wollte nicht Rechwissenschaftler werden, ich wollte einmal auch Schauspieler werden, aber Staat, Fabriken, Industrie, Gericht, georgische Soldaten und Offiziere im Irak (sind sie auch Menschenfresser? Ah, ja, etwa 200 000 Menschen sind im Irak getötet? Oder? Mehr?) alles, das ist auch ein Spiel, und meine Komplexe sind immer alt, die ich zu vergessen versuche, in einer Zelle irgendwo in meinem Gehirn liegen sie vielleicht und warten, bis ich mich an sie erinnere, was ich nie tue, und was ganz natürlich und logisch ist. Mein Schuldgefühl betäubt mich und ich will immer wirklich alles haben. Alles wie nichts. Warum bin ich so selbstsicher? Das ist kein falsches Gefühl, nein, trotzdem wer gar keine falschen Gefühle hat, nicht so selbstsicher ist, wie ich. Einfach, wir sind zuviel (aber nein: ich bin persönlich sehr originell) und sie können nicht alles bald begreifen. Sofort hat es ein Echo, es ist lustvoll, wie ein kostbarer Text mit zahlreichen interessanten und gut bearbeiteten Fotos, die zum Beispiel im Hauptbahnhof der Stadt an der Wand hängen. Ich brauche keinen einzelnen Fall zu untersuchen, ich weiß immer, was für mich gut ist. Diese ganzen Kommunikationen sind zu billig, aber für unsere Bevölkerung sind sie jedoch zu teuer, die im Sommer sich nirgendwo erholen können und soviel Geld nicht haben, nur eine Woche zu verbringen und an nichts zu denken, was, überhaupt sehr gefährlich ist, sie werden alles wissen können, was wir tun. Also, in Georgien leben ist wie im Tode leben (was ich ganz möglich finde!), aber mit mir passiert das nicht, ich lebe nur in meiner Welt, die weder heiß, noch kalt, sonder warm ist. noch viele kleine Lebensweisheiten kann ich sortieren, aber das finde ich nicht mehr nötig, ich bin müde und will endlich wissen: darf ich dir ein neues und hübsches Auto schenken, darf ich dir also eigentlich etwas schenken? Nicht alle georgischen Beamten sind so freundlich, wie ich, weil ich eine der besten Universitäten der Welt absolviert habe. So ist es nicht bei uns mehr üblich, daß wir sprechen, weil wir alles haben, was wir uns wünschen können. Man soll nicht alle und alles entlarven, bevor es noch keine Larven geben, nein, das ist nicht notwendig, weil alles auf einem und demselben roten, blutigen Kreuz liegt, das unser Symbol ist, wie das unsere fleißigen, modernen Kreuzfahrer sagen. Die Banken sind auch meine Freunde, sie lieben mich einfach sehr, weil ich ihr Klient, nie vergesse, wie möglich ihre Betätigung im Lande ist (man muss im Durchschnitt 26-28% Zinsen zahlen! Alarm!) jede kleine Summe können die Leute unverhindert bekommen, wenn sie notwendige Papiere in Ordnung haben, aber dann, wenn sie nichts bezahlen, besuchen sie die Angestellten, klopfen lange an die Tür und verkaufen alles, was sie, diese armen Leute zu Hause haben: Möbel, Bilder (zumeist billige Reproduktionen), Geschirr, etc. also, alles, was wertvoll sein kann, aber nicht ihr Leben: weil ihr Leben schon seit langem verkauft, verfremdet worden ist und das braucht mehr keine Kopfschmerzen. Und nicht alle können leider ihr Vertrauen gewinnen, z. B. Viele von ihnen verlieren nur Zeit und ihr Hin- und Her rennen hat keine Folgen. Aber wir leben: ich, meine Frau und meine Tochter in meinem eigenen Panzer, besser gesagt, in meiner eigenen Muschel, wir sind absolut sicher, geschützt und weil jeder Mensch nur ein Tier ist, erinnern wir uns lange an nichts. So ist es hier bei uns üblich. Manchmal fahre ich, egal wohin, aber weiß ich selber nicht, warum. Ich habe alles und ich bin nicht unzufrieden, hinter mir steht das ganze Reichtum der Menschheit, das ich einfach nehmen soll, alles ist für mich, mein Einkommen und alles, alles dient meinem Wohlstand und gibt‘s noch keine Zweifel daran, daß ich ganz würdig bin. Aber wie kommt mir alles zustande, als man das Gefühl hat, etwas zu wissen, das man nicht aussprechen kann? Aber stören Sie nicht diese armen Leute, sie haben doch kein Geld!, und was sie jetzt nicht haben, werden sie auch nie haben, das heißt, selbst unsere Natur hat etwas dagegen, daß sie ihre Möglichkeiten benutzen, die sie eigentlich wirklich nicht haben, weil sie kein Geld haben, wie unsere heilige apostolische Georgische orthodoxe Kirche das erklärt, ihnen: Ich glaube auch, jeder hat seinen ewigen Platz unter der Sonne und niemand darf sein Leben ändern, Gott entscheidet sich vielleicht über ihren Hunger, ihm gefällt, dass sie arm sind und wenn er ihre Verzweiflung ertragen kann, wer bin ich? Nur Asche im Vergleich zu ihm. Er hat festgestellt, daß es in dieser Welt nichts gratis gibt, dass sie: uns zur Verfügung stehende Ressourcen arm leben und freiwillig sterben sollen, was sie gerne tun. Nein, ich habe keine Zuversicht, daß sie noch absolut glücklich sind, aber sie sehen mich fast jeden Tag und beneiden mich, und wenn jemand einen anderen Menschen beneidet, fühlt er sich immer glücklich, weil von seinem Platz träumt und meint, daß es ihm auch gehört und das es er auch haben kann, früher oder später. Tut mir leid. Aber lassen wir das. Wo ist dein Vater? Ja, in Zürich lebt er gut, aber uns soll er manchmal auch besuchen, meine kleine Familie. Ich merke mir gut (damals war ich nur ein Kindlein), er und mein Vater trafen einander im Jagdverein, zwei Rektoren, Staatsanwälte waren auch da. Er hatte uns eine gute Anekdote erzählt und uns viel Spaß gemacht. Mein Lachen damals hatte keinen Sinn gehabt, ich konnte nicht verstehen, von wem er sprach, aber ich hatte auch viel gelacht, wie alle. Womit beschäftigt er sich jetzt? Du besuchst immer uns zu selten, aber Magda hat mir alles erzählt und mein natürliches Interesse erweckt. Aber im wahren Leben bist du schöner, als auf Fotos, ich gestehe, ich gestehe und ich freue mich darüber. Ich garantiere dir, nie wird dir dieses Leben so langweilig, wie mein Gespräch jetzt. Nein, es ist nicht langweilig, warum meinen Sie so? Antwortet sie, nimmt eine Zigarette, zündet sie sich an und raucht. Ach, wie möchte ich jetzt im Schwimmbad liegen! Ich möchte gehen und warmes Wasser im Schwimmbad irgendwo hier und nicht in meiner Villa genießen. Kommen sie mit? Unterwegs werden wir Anna besuchen. Meine kleine Tochter ist vielleicht schon nicht braun, sondern schwarz geworden. Ganz wie Naomi Campbell. Er lacht. Es ist sehr langweilig, daß wir keine Probleme mehr haben und das ist schon selbst ein Problem, dass wir keine Probleme haben. Magst du über die Berge steigen? Ah, nein. Es ist sehr uninteressant, nein: das finde ich uninteressant, persönlich, diese Sportart. Ich kenne im Ausland einen Mann, der schon den Gipfel von Everest besiegt hat. Er ist jetzt unser Parlamentsmitglied. Ja. Im Parlament haben wir auch einen, der gerne klettert, was schon sein Nebenberuf ist, seine Reserve, weil er jetzt lieber Gesetze verabschiedet. Jeder Mensch hat etwas Gutes; er ist, ja, ein wenig melancholisch, aber sehr freundlich und menschlich, und was auch sehr wichtig ist, genug reich, denkt Nanka. Aber Sie werden das, alles früher oder später, auch unverhindert sehen, riechen und hören müssen!

Hieronymus Bosch. Garten der Lüste
16. 01. 2008
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