Der junge Mann ist fünfundzwanzig Jahre alt. Er sitzt und sagt nichts. der alte, schwarze Mantel, der in einem Laden gekauft zu sein scheint, in dem die billigste Produktion fast aus aller Welt verkauft wird, steht ihm selbstverständlich nicht gut, er ist alt, der Mantel. Der kalte Wind weht in dem ganzen Korridor, jede Tür ist geschlossen, niemand will außer denen, die auf der Bank sitzen, hier nur einen Augenblick bleiben. Es ist unerträglich kalt. Die Mutter des jungen Mannes schaut sich sie an, schweigt, aber will von seinem Sohn, seinem Zustand reden, und trotzdem sie die Angst vor allen Ärzten hat, sich herum erschrocken blickt und leise weint, beginnt zu sprechen. Ihr ist es vielleicht besser, ihren Sohn hier, in diesem Krankenhaus zu verlassen, sie weint, ihrer mütterlichen Pflicht wegen, wischt sich die Tränen aus den Augen mit einem gelben Handtuch, und schreit manchmal laut: es ist unmöglich! Mein Sohn ist nicht krank! Alles, was sie sagen, ist nicht wahr, ich kann das beweisen usw. Alexis Mutter fragt sie nach seinem Zustand, seiner Krankheit. Er kann Ihnen selbst alles besser erklären, sagt sie, mir ist sehr schwierig, mich an diese ganze Geschichte zu erinnern. Ich glaube teilweise selbst nicht daran, was er sagt. Verzeihen Sie mir. Alex, der den Zustand des jungen Mannes versteht und ihm nicht helfen kann, findet es belästigend und nicht ganz menschlich, mit ihm zu sprechen anzufangen, kann nirgendwohin gehen, bleibt sitzen und hört ihm zu. Der junge Mann hat sanfte Stimme, mit einem städtischen Unterton. Er scheint lange irgendwo im Ausland gelebt zu haben: Ich lebte damals in Moskau (ja, so kann ich sagen). An einem Tag _ ging ich gewöhnlich und wollte nur einen Augenblick lang vergessen, was ich fühlte; was ich immer fühle: Nichts, aber gelang es mir damals auch nicht, trotzdem ich es immer will: schlafen, ohne jemanden zu bieten, mich dann aufzuwecken. Ich bemerkte jetzt alles, aber ich kann nicht alles ausdrücken. In der Strasse standen dicke Polizisten, sie waren die Leute, die ich damals, zum ersten Mal, gesehen hatte. Ameisen liefen in meinem Körper, so kam es mir vor, trotzdem ich ganz unschuldig war. Zwei Polizisten. Wassermelonen, die ich zu verkaufen hatte, lagen in einem kleinen, aus vier Seiten vergitterten, grünen Laden, neben der blauen Toilette, unweit von meinem Haus. Ein Polizist, der jünger zu sein schien, als sein dicker, lustiger, freundlicher Mitarbeiter, erzählte dem anderen eine Anekdote, über die er zu viel lachte. Nachdem ich meinen Platz vor dem Laden genommen hatte, kamen sie zu mir, kein Wort sagend; sie standen, schwiegen und besichtigten meinen ganzen Laden, der eigentlich sehr einer gewöhnlichen, geheimen Folterkammer ähnelte… Ich hatte keinen Reisepaß, da in meinem Paß, das Visum, schon abgelaufen war. Ich war sehr nervös gewesen, aber wollte ich nicht, daß sie etwas bemerken. Ja, ich habe, wie jeder Mensch, jetzt auch nichts zu verlieren, aber damals fühlte ich das, wie man sagt, schärfer. Diese… Diese Gefahr. Vielleicht sehen Sie Filme über die Natur und finden Sie sie auch sehr angenehm. Nein? Das ist schon ein wenig besser. Ich fühlte mich, wie ein Hase, der zu fliehen versucht, aber umsonst: wir sind, Georgier, wie diese Milizisten in Moskau uns heißen, ihre Hasen, aber noch etwas mehr: die Hasen sind nicht sparsam, lieben sie ihr Reichtum nicht so (ich weiß nicht, vielleicht, Möhren?), wie unsere Nation, wenn sie noch daran glauben, als ob irgendwelche Nationen unter diesem freien Himmel wirklich leben! Der Laden, in dem ich jeden Tag, fast achtzehn Stunden lang stand, und in der ich manchmal schlief, war, ja, eine Folterkammer: sie denken, daß die Konkurrenz die Welt glücklicher, schöner, interessanter, menschlicher und natürlicher macht. Nein, ich beleidige sie nicht. Sie denken anders, Sie hoffen vielleicht noch auf jemanden, der aus der anderen Welt kommen muß, um das ganze Gerät in Betrieb zu setzen, das ganze gesellschaftliche Gerät. Ich verstehe sie sehr gut. Haben Sie keine Lust mehr, mir zuzuhören? Ja? Wenn ja, können wir uns noch einige Stunden unterhalten. Vor einigen Tagen, war mein Laden von Skinheads überfallen worden (wir nicht; uns gelang es damals, zu fliehen), indem mein Kusine an jedem Tag unserem weisen Gott seinen Dank nur mündlich widmete. Sie haben aus etwa viertausend Kilo Wassermelonen einen roten und grünen Mix gemacht, genau, wie das in den Zeitschriften gezeigt worden ist, die immer nur unsere kranke Phantasien erregen (ich bin nicht sehr ausgebildet, aber soviel kann ich verstehen). Aber wenn ein Georgier in Moskau ein Unglück erlebt, trägt nur er, selbst, und niemand mehr auf der ganzen Erde, ganze Verantwortung. Soll ich noch über die Verantwortung sprechen? Und standen, diese zwei Arschlöcher, warteten auf mich, aber sagte ich nichts. Dann nährte sich mir ein Polizist, er sah unzufrieden aus (da ich damals vor der Nervosität, die Farben nicht unterscheiden konnte), und begann zu sprechen: Wo ist dein Personalausweis? Ihn habe ich zu Hause. alles ist in Ordnung. Ich weiß, wie die Georgier alles in Ordnung haben. Blin, ich muß dich jetzt sofort festnehmen und dann in deine schöne, sonnige Heimat, nach Georgien abschieben (fünf Jahre lang wirst du Moskau mit deinen Augen nicht mehr sehen), aber habe ich keine Lust dazu. Gib mir zwei Wassermelonen, beide weiblichen Geschlechts, die besten Wassermelonen in deinem dreckigen Laden! Versuche nicht, zu leugnen, sonst werde ich dich dann schon unbedingt abschieben. Jeder normaler Mann muß immer ordentlich sein, wie in der Armee. Hast du in der Armee gedient? Nein. Deswegen bist du so unerzogen! Wo warst du gestern? Die Leute sagen, daß ihr, beide _ du und dein Kusine, wieder keine Ruhe findet, belästigen unsere jungen Mädchen und Frauen, diese in der ganzen Welt schönsten Dinger. Davon darf man hier nicht sprechen. Wenn du mich verhören willst, kannst du das vielleicht in ihrem Hauptgebäude, in der Puschkinstrasse 38, das besser tun, antwortete ich sie, ich sah, daß der dicke Milizist zufrieden war und sah ich keine Gefahr mehr. Wo ist dein schwarzer Kusine? Gott, verdammt, wie schwarz ist er! Aber du bist ganz nicht schwarz. Mit deinen blonden Haaren, siehst du wie jeder echte Georgier aus. Ich weiß, echte Georgier haben, wie du, auch blaue Augen. Nein, ich bin ein Deutscher. Aber ich glaube, ich will glauben, daß ich weder Georgier, noch Deutscher bin; Ich glaube an Gott, in Moskau, kann das man schon, Gott sei Dank, frei sagen; Die Kommunisten sind, wie meine Oma oft sagt “bis heute innerlich zu tief religiös.“ Mein Kusine schläft jetzt. Er arbeitete die ganze Nacht, in einem Laden, hier, in der Tschernischewskystrasse. Wirklich? Er sah mich mißtraurisch an, hat er auch keinen Reisepaß, wie du?! Natürlich, seid ihr, Georgier (oder, wer ihr seid, egal!), zu schlau, das weiß ich, schlauer, als diese Asiaten, und verberget ihr eure Reisepässe in ihren schmutzigen Schränken, zu Hause. Gut. Ich muß gehen. Jedoch habe ich viel gesprochen, trotzdem ich weiß, daß diese und solche Gespräche keine Folgen haben und keine Folgen sie auch haben können, er legte zwei Wassermelonen in sein grünes Auto, auf dem oft seine Frau saß und uns, aus dem Auto, immer mit ihren traurigen Augen besichtigte, immer, wenn er den Wagen anhielt und uns um Wassermelonen bat, fast jeden Tag.
Bis zur zehnten Uhr, hatte ich in der Tür von der Folterkammer (dem Laden) gestanden. Ich verkaufte die Wassermelonen damals, ohne mich zu setzen und bis Abend war ich schon zu müde. Ich sah, wie ein dicker, alter Mann, einen jungen Mann aus Georgien schlug, nachdem ihn ihrerseits hiesige Jungen geschlagen hatten, seine Schulkameraden. Zwei Mädchen hatten über mich geschimpft, gewöhnlich, aber antwortete ich sie nicht mit dem Haß. Alles, aber diese dummen Frauen kann ich jedoch nicht hassen. Dann, in der Nacht, verließ ich die Kammer, deren Tür ich sorgfältig geschlossen hatte und ging. Ich schließe die Tür immer, trotzdem es sinnlos ist und trotzdem ich weiß, bis heute, daß es sinnlos ist, überhaupt die Türen zu schließen (!). Heute kann jedes Blatt durch jedes Land reisen, die Menschen _ immer nicht. Oh! Die Lichter brannten und trotzdem ich zu müde war, wollte ich in einer Disko, dem Tanzen beiwohnen. Die Hoffnung, sie verliere ich nirgendwo, trotzdem sie auch keine Bedeutung hat und uns nur unmenschlich quält: wir sind gezwungen, uns immer unsere Uhr anzuschauen, o, dieses ganze System; man glaubt, daß auf diese Weise, man “diesen Prozeß beschleunigen” kann. Selbst, jeder Mensch wird alles selbst begreifen! Aber überall sollte ich stolz darauf sein: ich habe bis heute keinen Garten, in dem die Blumen stehen; keine einzige Blume steht in meinem Garten, keine Rose. Mehr, mehr Licht! Diese Papiere überall, und ich, genau ich hatte eine andere Herkunft. Manche Leute fühlen sich bequem, niemand will auf ihre Saiten spielen. Man muß mit der Waffe in der rechten oder, seltener, der linken Hand, ihre Ideen durchsetzen und nur damals sind sie kräftig und mächtig gleichzeitig! Es ist beleidigend, über diese Wahrheit noch, zu sprechen, als ob wir mehr keine Sache hätten. Jemand stirbt an einer Krankheit, alt, jung, ledig, verheiratet, egal! Man stirbt, d. H. wir sterben! Weil einige Schmierfinken finden, daß wir in dieser Welt, auf der Erde, uns nichts gehört. Im Namen Gottes und der Konkurrenz können wir das nicht, aber wenn wir das jedoch können, immer mit nur großen Hindernissen und Misserfolgen, während in dieser Zeit, jeder Mensch sein leben der Wissenschaft zum Opfer bringen muss. Diese Pyramiden, sie machen einen unvergesslichen Eindruck! Das ist unser Schicksal, und das ist schon kein Geheimnis mehr, daß wir verlassen sind, hoffnungslos verlassen, auch die Menschen, die wir lieben, sind verlassen. Das ist keine Zuversicht, da wir sie, unsere Nächsten nirgendwo lieben. Nicht alle können die Menschen lieben, diese Arschlöcher. Können wir ihr Fleisch, also, unser eigenes Fleisch brennen (das ist schrecklich)? Alles riecht, ganz identisch, wie in den Krimis, die man gerne liest. Das sind wir: wenn sich jemand schlecht fühlt, fühlen wir uns auch schlecht, aber wann werden wir das, mit unseren primitiven grauen Zellen begreifen? Wann werden das unsere Herzen begreifen? Werden wir wohnen, wo das Licht der Sonne nicht strahlt, aber auch keine Kerze in der Dunkelheit?! Ich fühle mich immer und überall beobachtet. Es ist schon unerträglich geworden. Ich weiß nicht, was sie von mir wollen, aber mir glaubt niemand sogar zu Hause. In unserem demokratischen Lande ist es schon unvorstellbar. Bin ich verrückt? Wie meinst du, mein unbekannter Freund, er wendet sich Alex plötzlich zu. Was sollte ich in Moskau tun? Warum liebt mich niemand? Was habe ich angerichtet? Ich weiß nichts, antwortet Alex, ich hätte auf deiner Stelle vielleicht mit dieser Leute nie über meine Abstammung gesprochen. Ich weiß nur das. Natürlich, wenn jemand uns nach unserer Abstammung fragt, müssen wir ihn antworten, gegen unseren Willen. Das kann ich verstehen. Ich weiß selbst nichts mehr. Aber die Liebe? Was ist die Liebe? Ist sie besser, als die Leidenschaft? Fragt er. Ich weiß nicht, was das bedeutet, antwortet ihn Alex, denk selbst mehr an tragische Aspekte in deiner Geschichte und dem Leben, das empfehle ich dir. Das will ich nicht wissen. Emanuel stellt und stellt ihm zahlreiche Fragen, während Alex das Zimmer verlässt, sich auf die Erde setzt, schweigt und leise zu weinen beginnt. Dann steht auf, kommt zurück und sieht, daß beide Mütter sich schon freundschaftlich unterhalten. Mein Sohn, du liebst bis heute dieses russische Mädchen!, ich weiß, daß du sie noch liebst. Das ist nicht wahr, Mutti, antwortet er, sie liebe ich nicht mehr. Alles ist vorbei. Ich liebe schon nur dich. Mir ist schon alles ganz egal...