Verlust

Zehntes Kapitel

Dieser Rektor: er hat heute einige Vorlesungen gehalten, sitzt jetzt (das ist nur ein Buch! Bitte, nicht todernst nehmen, ha ha!) in seinem eigenen Arbeitszimmer, genießt die Musik, und will selbst etwas schaffen, das ist sein alter Traum. Die Komponisten, wie Mozart, Beethoven und Chopin, ihre Musik versteht er gut (wie er selbst verstehen will)! Sein Arbeitszimmer hat blaue Wände, viele Leute rufen und rufen ihn in jedem Augenblick an: er will viel Geld verdienen, weil seine Fantasien über junge Damen, die bereit sind, ihm ihre jungen Körper zu schenken weil er ein erfolgreicher Mensch ist, brauchen bald befriedigt zu sein und bleiben noch in Kraft, trotzdem er alt ist und trotzdem ihm niemand nichts konkret erklärt. Warum ist er so reich, die anderen Leute so arm? Es handelt sich um kein Wunder. Er ist zu klug, er ist sicher, er weiß, daß mit dem Geld er alles kaufen kann, was unter dem Himmel wächst, singt, weint oder lacht, sich bewegt. Alles kann er noch leider nicht kaufen, aber entwickelt sich jetzt die Technik (und bzw. diese Welt), und ist heute erreichbar auch das, was gestern unerreichbar war, das sind seine Meinungen. In dem ersten Gebäude fließt das saubere Trinkwasser in den Toiletten und die Mädchen, die an jedem Tag in dem Spiegel ihre Falten besichtigen, riechen künstlich, nach ihrem eigenen Parfüm, dessen Geruch mir nicht gefällt. Er schreibt alles richtig darum, weil er jeden Satz selbst mühsam korrigiert. Er hat zwei Angestellten, die seine Befehle, Wünsche, Träume kennen _, er braucht oft wirklich kein einziges Wort zu sagen. Daß unsere menschliche Vernunft ihre Möglichkeiten und Grenzen hat, weiß er gut, das ist eine sehr starke Wahrheit! Die Frauen, die keinen Wusch mehr haben, ihr ganzes Leben in dieser Schweinerei verbringen zu wollen, sind zu wenig. Heute spricht er zu viel, seine ewige Nacht verschönert unser Leben: er will, daß wir, alle StudentInnen allein sind; selbst das Leben zeigt uns seine eiserne Logik! Wir sind besiegt, da wir immer an ihre vollkommene Macht glauben, da wir uns, unsererseits, an das Pyramidenzeitalter erinnern und vor ihm Angst haben, wissen wir nicht, daß wir schon in diesem Zeitalter leben... Der reiche Wissenschaftler im Bereich der Medizin sitzt ruhig, während ein sehr schönes Mädchen in der direkten Nähe, jetzt, an dem Krebs stirbt und ihre erstickten Stimmen uns an unseren eigenen Tod erinnern; er ist nur ein Beamte. Ihn Schützen seine breiten Fassaden (diese Fassaden im ersten Stock), seine Zeit ist schon gekommen. Er denkt an Marie, die kommt, und ist die Angst so groß, wie groß sie immer war. Er steckt seine Hand heimlich in seine eigene Tiefe, die urheberrechtlich geschützt ist, in seine Hose, bis er diese Sache, alleine zu Ende führt: jede Gewohnheit hat ihre Vorteile, er will ihr seinen starken männlichen Charakter zeigen, als das Mädchen kommt und vor ihm selbst die Hose runterzieht. Nicht nur dieser Rektor, sondern viele Leute, die Medizin studieren, studiert haben oder nicht studieren, haben ihre eigenen Wirklichkeiten und Wahrheiten, und arbeiten sie fleißig. Die Jugend hat heute jedoch viele Komplexe, sagt er, und wir brauchen sie so zu befreien, wie sie das selbst wollen. Aber sie wissen leider zwar nicht immer gut, was sie wollen. Wir leben aber schon in einem freien Lande! Und jeder Mensch muß hier nur sich mit seiner eigenen Sache beschäftigen und nichts mehr. In seinem Arbeitszimmer hat sein Computer seinen Platz auf dem rot lackierten Tisch, alles sieht schön aus, und die Zeit wartet selbst aufs nächste Frühjahr, aber er wartet, selbst nur auf Marie. Er realisiert, was er selbst, heimlich seine kleine männliche Pflicht nennt, er soll z. B. heute am Abend aufstehen und eine alte Familie besuchen, zwei junge, hübsche Damen, die tanzen, singen können und noch etwas wissen, was er am meisten liebt; sie lesen noch auch Krimis. Marie klopft an die Tür und kommt hinein. Sie kann nichts sagen, da der Rektor großartig aussieht. Sie steht und wartet, sieht, wie er zu ihr kommt und ihr die Kleidung auszieht. Im Arbeitszimmer steht ein Skelett und erinnert diese Gäste an den Tod, da alles sein Ende hat und alles schon mit Erfolg gekrönt ist. Sein Beruf ist es, der Tod, in dieser Fabrik des Todes und er erinnert sich selbst an seinen Beruf, immer, wenn er an die Liebe zu denken beginnt: er weiß nicht, was das schöne Wort „Liebe“ bedeutet. die kleine goldene Münze, die auf dem Tisch liegt, glänzt und Marie träumt von zahlreichen T-Shirts, Schmückstücken, romantischen Partys am goldenen Ufer in Bulgarien, die sie verdient hat und die sie aristokratisch verbringen möchte; sie möchte in dieses Land alleine fahren. Alles hat ihr der Rektor ihr persönlich versprochen und sie träumt und träumt und träumt, weil ihr Eigentum nur ihr eigener einziger müder Körper ist; der größte Erfolg hängt immer von vielen besonderen Fähigkeiten seiner provisorischen Besitzerin ab (in diesem Arbeitszimmer ist keine Frau frei). Hinten, in dem Universitätsgarten schreien die Kinder, die einen schwachen, dreizehnjährigen Jungen beleidigen, der Musik liebt und seine private Musiklehrerin besucht. Die Lehrerin lacht über alle Kinder, die sie erzieht (!), sie erfüllt auch ihre Todespflicht! Und, besonders, den Jungen, den sie Beethovena heißen, die Kinder: warum liebst du keine Sportart, fragt sein Schulfreund ihn, du, Feigling? Und schlägt ihn stark. Das ist für ihre Lehrerin nur ein Spiel, und sie lacht zu viel, musikalisch. Nur einen Ausflug wollten sie in der Großstadt machen. Es dämmert und ruft die Lehrerin ihre kleinen Kinder und Schüler; sie schreit. Eine junge Frau lacht über alle, da sie jedoch keinen ständigen Wohnsitz in Tiflis besitzen. Ah, diese Dörflerinnen und Dörfler, sagt sie sehr leise, wie hübsch und naiv sie sind!.. Marie will ihrem alten Liebhaber ihren echten sexuellen Charakter zeigen, der ihm wahrscheinlich gefallen sollte, aber ist der Rektor sehr sparsam und erobert sie mit seiner unerschöpften, kolossalen Energie der Impotenz _ wie ein Denkmal liegt er auf ihr und zeigt ihr seinen Saft, da seine Liebe wirklich keine Außengrenzen hat. Innerlich müssen wir wissen, wo unsere Grenzen liegen, sagt er, wenn ihn seine alten Freunde besuchen. Die Sachen, die sie gemeinsam tun, vereinigen alle, und besichtigen sie immer gerne mit einem Glas in der rechten Hand, manchmal brennendes Holz, Fetzen und Flammen im Kamin im Vorzimmer, wenn sie nicht tanzen und sich über die Kunst nicht unterhalten. Unsere, georgische Frauen fühlen schon immer mehr Impulse von ihren Männern, als wir gestern, sagt er manchmal. Es ist bedauerlich, wenn sie, alle uns gegenseitig nicht achten. Die Verachtung hat immer schlechte Folgen. Ich freue mich, daß ich euch jetzt meine neue Methode vorstellen kann…, usw. usw. Jetzt bohrt er ihre Tiefe, also ein Vögelchen wird in ihre Tiefe gesteckt, die, ihrer Meinung nach so oft gezeigt wird, daß sie schon vulgär aussieht. Bis dahin will Marie ihr Geschlechtszeichen verbergen. Es tut ihr jetzt weh und leid. Schmerzhaft hat die Natur die Frauen bestraft; eigentlich, warum hat Eva ihrem Adam diesen Apfel gegeben? Auf ihre göttliche Herkunft im Hörsaal Nr. 107 sind viele Studenten stolz, und schämen sie sich und haben sie die Angst vor ihrer wirklichen Wirklichkeit (d. H. ihren Körpern).

Das sind nur wenige kostbare Informationen für alle Touristen, die Georgien besuchen.

Der Rektor bohrt ihre Tiefe, trotzdem in seinem Arbeitszimmer kein Tropfen Öl zu glänzen beginnt, das will auch er. Etwa siebenunddreißig Grad Wärme kann sein Glied nicht brennen, es ist die Sache, die er, wie viele andere Sachen, praktisch und gut tut. In der Heimat der ersten Europäer dunkelt es, es ist schon halb sieben, jemand muß fliehen und seine Armut vor allem in der ersten Klasse des fliegenden Flugzeugs im Westen gut vergessen...

Marie ist gezwungen schon nach Hause zu gehen. Der Vater blickt jetzt schon auf die Uhr und wartet auf sie zu Hause; sein Sadismus auch seine Zeit. Sie zieht sich schnell an. Tiflis ist die Stadt der heiligen Jungfrau Maria, die, eigentlich, selbst, kommen muß, früher oder später, Unsinn. Es wird etwas geschehen. In dem Arbeitszimmer ist nach der Liebe (dem Kampf) alles ruhig, nur Wasser bewegt sich noch in dem Glas. Möchtest du Cola trinken? Fragt der Rektor Marie. Er ist schon zufrieden. Gib mir ein bißchen Geld, sagt sie zu ihm. Ist das sehr originell gesagt? Fragt er sie, wieviel ich weiß, ich habe dir etwas wirklich versprochen. Gib mir zweitausend, sonst werde ich nie mehr zu dir kommen, sagt sie. Der Rektor ist ein Millionär, er braucht keine Probleme, nimmt seine Aktentasche und gibt ihr genau soviel, wie sie braucht. Weg! Marsch! Und sie ist schon weg. Ja. Frauen müssen nur arme Männer belästigen. Der Rektor pfeift ruhig und lacht. Er pfeift auf alles. In dem Garten sammelt die Putzfrau sorgfältig fast alle Blätter und singt. Alles ist in Ordnung. Alles bleibt in Ordnung. Zwei Studentinnen sitzen auf der Bank und diskutieren über viele Unsinne, die ihnen gefallen. Drei junge Männer stehen ruhig und tun sie nichts. In der Apotheke erzählt die Verkäuferin ihrer Freundin etwas Tragisches und sie lacht. Wir verkaufen jetzt schon fast nichts, sagt sie, aber es ist tausendmal besser. Es ist auch besser, dass ich mein Geld so bekommen kann und nicht so, wie z. B., mein Mann bekommt.



Salvador Dali. Die zerrinende Zeit

21. 02. 2007

 

 

 

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