Verlust

Viertes Kapitel

Fühlt euch in diesem Gasthaus besser, als zu Hause! Geld habe ich schon bezahlt, sagt der Rektor zu seinen eigenen jungen Frauen. Wie schön sie sind, diese alten türkischen Teppiche, sagt Inge. In der Mitte steht ein alter Barocktisch. An der Wand steht ein Bett. Nein, sie wissen beide nicht, warum sie hier sind. Ein bißchen Geld wollen sie verdienen, aber wieso? Wieso? Schauen wir uns das ganze Bild an, alle Kleinigkeiten sind mir besonders interessant. Nein, Inge darf nicht hier bleiben, ich schäme mich, verstehst du, wie wichtig es ist, schreit Inge. Marie, warte noch in dem Cafe, bald werden wir dich selbst anrufen. Na, nimm ein wenig Geld. Danke? Für nichts, es ist nichts, sagt der Rektor. Gut, kein Problem, ich werde Sie nicht stören, antwortet Inge und verlässt das verliebte Paar. Der Rektor, der jetzt schon blitzschnell das Mädchen attackiert, verdient unser Mitleid, da er nur noch neunundfünfzig Jahre alt ist! Er liebt eigentlich überhaupt keinen Augenblick verlieren. Er steckt seine Gedanken bald ihr in ihr Arschloch hinein. Ah, mein Gott, tief, ich kann in dich tiefer leider nicht eindringen, sagt er. Er kann in die Materie, in den Anus des Mädchens natürlich tiefer nicht eindringen, er braucht noch vielleicht ein bisschen Butter, das er leider vergessen hat, in der Tasche der Hose kann er jetzt seine kleine Butterdose nicht mehr finden. Sie sollte ich überall, nicht vergessen, murmelt er. Es tut dir nicht weh? Fragt er Inge. Ah, nein, sagt sie, etwas Schlimmeres habe ich gerade vor diesen zwei Wochen erlebt. Was? Oh, nein, verzeihe mir, ich wollte die feinsten Saiten deiner Vergessenheit, besser gesagt, deines vergessenen Leides nicht berühren, das ist immer wirklich unerträglich, sagt er und seufzt. Alles ist schon vorbei, sagt er zum Schluß. Nein, verstehst du, ich _ als ich jung war, hatte ich kein Geld. Er schluckt seine Pillen. Er hofft auf Gott und diese Pillen und weint. Zum zweiten Mal kann er nichts mehr tun. Der Rektor weint. Das ist das ganze Ende. Er sitzt auf dem Bett. Er küsst Inge nicht und das gefällt ihr am besten. Bald klopft Marie an die Tür. Sie will auch ihre Miete, nicht zu viel und nicht zu wenig, aber nur genau das, was ihr gehört, erhalten. Ich bin dir ja nicht böse, sagt Marie zu Inge, ich dir auch nicht, Mariechen, er hat milde, zufriedene Stimme. Oh, diese Nacht werde ich nie vergessen, sagt Marie. Mein Angebot, sagt der Rektor, bleibt in Kraft: Deutschland und noch etwas mehr. Das ist ganz logisch, sie sitzen alle auf dem Bett. In unserer postmodernen Epoche können wir auf unsere gemeinsame Entwicklung, auch unsere Kinder, unsere künftigen Generationen hoffen, diese Tatsachen müssen wir nicht vergessen. Sexuelle Strebungen sind in der Tat nicht so wichtig, wie wichtig sie jetzt zu sein scheinen. Sie sind noch zu jung, das zu verstehen. Was ist die Liebe? Könnt ihr einen Menschen lieben, den ihr persönlich ganz nicht kennt? Nein, ich sage nicht, sie spielen eine große Rolle, das ist von Siegmund Freud schon bewiesen worden, aber wir, die Alten machen jedoch immer gute Erfahrungen... Eigentlich, was ist die Liebe? Ihr habt keine Ahnung von der Liebe. Meine Gefühle kann ich gut und genau differenzieren, aber ich habe immer keine Lust, meine Gefühle genau zu differenzieren. Wenn du deinen Geliebten nicht lieben kannst (also, wenn du ihn selten siehst) das ist ihre Majestät, die wahre Liebe. Während der Rektor spricht, verlassen Inge und Marie das Zimmer und gehen ins Cafe hinein. Viele Zombies sitzen auf ihren Stühlen, weil sie zahlen, sagen sie nichts und trinken viel Alkohol, die Kellnerinnen und Kellner rennen mit seinen Tassen und lustigen Gesichtern hin und her. Hat er dich schon wirklich gefickt? Fragt Marie sie. Ja. Arschloch, sagt Marie leise, ich fand ihn aber immer ganz unfähig. Er ist kein Arschloch, er ist übrigens mein erster Mann. Was? Du bist zwanzig Jahre alt und ist dieser Rektor dein erster Mann? Ja, andere Männer… Oh, du weißt das nicht: ich habe Angst vor ihnen, vor allen Männern! Das hindert mich immer. Eigentlich, er ist nicht mein erster Mann, nicht im ganzen. Ich habe nichts verstanden. Beide schweigen. Trinken wir etwas, jetzt, ich bin zu müde, sagt Inge. Was hat er dir bezahlt? Nichts. Er verspricht uns Diplome, Geld und Reise nach Deutschland, das ist klar. Das hat er uns schon in dem Professorenzimmer versprochen. Vier Semester können wir in der Bundesrepublik ruhig verbringen; das ist nicht wenig. Natürlich, antwortet Inge. Sie öffnen die Tür. Der Rektor schläft. Ja, es ist nicht sehr spät, gehen wir nach Hause zu Fuß. In meiner Wohnung ist heute niemand, meine Mama bleibt heute wieder in seiner Wohnung -, aber ihr Herr Oberst, ihr Polizist ist selbst oft auch nicht zu Hause: er hat auch seinen Dienst. Wir werden Kaffee trinken. Kannst du mir alles erzählen? Kannst du mir, in meiner Wohnung, alles erzählen? Nein? Was ist mit dir los? Warum schweigst du? Oh, ich verstehe dich: jede Frau hat ihre Geheimnisse.



Salvador Dali. Die zerrinende Zeit

21. 02. 2007

 

 

 

Home

Biografie

Werke

Kontakt

 

 

შეიძინეთ რომანი "ჭენება" პარნასის" მაღაზიებში და ასევე ონლაინშოპით!

 
 
Copyright © David Chutlashvili. Alle Rechte vorbehalten