Verlust

Sechszehntes Kapitel

Sechszehntes Kapitel

Ich bin noch nichts. Aber wer weiß? Alles ist verschlossen. Man würde sagen, alles sei unvermeidlich. Ich wollte sie anrufen, umsonst. Der Teilnehmer sei jetzt nicht erreichbar, antwortet immer die Stimme, die so kalt ist, wie dieses Blatt, das jetzt fällt. Mein Leben ist leer, hoffnungslos leer. Manchmal denke ich an mein Leben, das langsam ohne Liebe verschwindet, wie zahlreiche andere Leben bis heute. Ich will keine Angst vor etwas haben, was ich nicht kenne, ich weiß nicht, was ich verdiene oder was ich nicht verdiene. Noch nichts. Alles. Eigentlich, was habe ich verloren? Fragt Alex sich laut. Es regnet, der kalte Regen fällt. Die Tannenbäume in dem Garten stehen und zittern langsam. Ein Buchfink fliegt und verläßt sein Nest. Die Gossen widerspiegeln den ganzen Tag in dem Garten, noch teilweise. Bald öffnet die Tür der Vater. Er stellt den Topf mit der Bohnensuppe auf den rostigen, eisernen Ofen, in dem die Kohle rot sind und glühen. Willst du nach Tiflis fahren? Warum kannst du nicht ruhig bleiben? Heute haben wir nichts zu tun. Das Werk ist geschlossen. Es tut mir leid, mein Kind, daß dich niemand braucht. Du bist, ja, sehr schön. Ja. Du bist ein sehr schöner junger Mann, aber das ist noch nichts. ich bin kein Egoist. Warum hast du keine Hobbys? Das verstehe ich nicht, er löffelt seine Bohnensuppe, ah, himmlisch, sagt er, in der Armee aßen wir zu viel (wie du schon weißt, zwei Jahre habe ich dort verbracht), das war anstrengend, aber angenehm. Warum seid ihr so aggressiv, Schweine? Fragte unser Oberst uns und wir waren bereit, gegen alle zu kämpfen, die wir für unsere Gegner hielten, gegen die ganze Welt. Das war unvermeidlich, die Zeit ist immer streng. Afghanistan habe heute unsere Heimat angegriffen, hat er einmal uns leise gesagt. Wir glaubten an ihn. Keiner sagte etwas. Und wir waren stolz auf unsere Heimat, die schon fast die Hälfte der Welt von den Fesseln befreit hatte. Nein, eigentlich hatten wir keine Ahnung davon, wer wen oder was befreit hat oder nicht befreit hat, aber es ist immer angenehm, dieses Gefühl selbst. Uns beleidigte man oft, aber war der Kühlschrank in der Kaserne immer voll. Wurst schmeckte damals besser, als jetzt, alles roch angenehm und wir freuten uns lange auf unsere Erfolge in Afghanistan. Die Russen waren damals nicht so aufgeregt, wie unruhig sie heute sind. Die Georgier weinen nie, wir ertragen alles, sowohl innerlich, als auch äußerlich, aber wir lieben innerlich den Krieg, da wir uns und von der anderen Menschheit mit unserem Charakter nicht unterscheiden. Etwas Kostbares liegt in unseren Köpfen. Was ist das? Es ist einfach angenehm, wenn das Volk, dessen Teil, nein, ein kleines Teilchen du bist, etwas feiert. Der heilige Georg: dieser Kämpfer, sein Denkmal im Zentrum der Hauptstadt verkörpert unsere Träume. Sein göttliches Bild schützt auch unsere Körper und Seelen. Alex schweigt. er ist unser Symbol, sein Denkmal steht in dem Zentrum der Hauptstadt. Unsere Kinder gehen in die Schulen lustig. Weißt du, was wir in der Schule machten, als ich elf Jahre alt war? Fragt Alex ihn. Was denn? Wir, ich und meine Schulfreundinnen blieben in dem Klassenzimmer und… Du kannst dir das nicht vorstellen, nein, in Georgien kann sich das auch niemand vorstellen. Jetzt haben sie keine Lust. Jetzt sind die meisten von ihnen dreiundzwanzig und haben mehr kein Interesse für die Männer, sie sind wie… Wie ermordet, trotzdem sie die Schule abgeschlossen haben… Aber sie haben viele Kinder schon. Verstehst du, wie entsetzlich es ist, daß sie keine Lust mehr haben, etwas zu tun?! Ich erlebe jetzt schon nichts und alles wegen nur deines miserablen, schmutzigen, gelben Denkmals. Sie machen uns zunichte, diese Denkmäler, sie sind tot, stinken, aber vergiften unser Leben, unsere Zeiten, alles, was wir haben. Stellst du dir ein elfjähriges Kind, ein elfjähriges Mädchen, das nach dem Glück strebt, das heißt, den Spaß liebt und müde dreiundzwanzigjährige Frauen, die diesen Tieren gehören? Alles ist verboten, alles, und will ich nicht mehr atmen. Ich bin kein starker Mann, verstehst du das? In Georgien sind wir keine Menschen; sie fühlen sich wohl, diese Politiker, wenn ihre Taschen voll sind, voll Staub. Diese Papiere sind ihnen sehr kostbar! Zuerst die Pflicht, dann das Vergnügen! Ihre Prinzipien kann ich nicht schlucken. Ich werde sie nie schlucken wollen! Ah, ich bin sehr schwach. Ich erhole mich nie, gestern, nachdem ich zurückgekommen war, wollte ein wenig schlafen, vier Pillen hatte ich verschluckt, aber konnte nicht einschlafen. Anderthalb Jahre hatte ich in diesem Zimmer verbracht, ich wollte fast niemanden mit meinen Augen sehen und alles nur mit ihren Augen sehen; das ist unerträglich. Ich lebe. Ich will, daß in der Nähe sehr viele Menschen sind und sehe ich manchmal niemanden. Ich bin vielleicht, zu dumm, aber verdiene das wirklich nicht. Nicht diese Frauen (trotzdem ich sie hasse!), wir, sondern kein Tier verdient das, fast alle sind schrecklich liebeshungrig; sie leben schlechter, als jedes Tier, trotzdem sie schon keine SchülerInnen sind. Jemand planiert ihr Leben, und sie müssen an dem Programm teilnehmen, das ihnen schon lange nicht gefällt, das uns nicht gefällt, aber was notwendig ist, da sie sie mit ihrer ewigen sittlichen Waffe verfolgt werden können. Sie können sie vernichten, der Mann hat panische Rechte. Ich betone: jeder starke Mann! Das ist unser Leben: wir müssen ewig die Sachen tun, die uns nicht gefallen, immer, und niemand kann das verändern! Das ist hässlich. Niemand verdient das, kein Mensch in der Welt. Die Frauen und Männer leben wie Haustiere in ihren Häusern. Diese Welt ist voll mit den Bildern, auf denen die Frauen uns ihre Blöße zeigen. In Wirklichkeit, zeigen uns auch die anderen Leute ihre Blöße. Mit dieser Methode wollen sie uns, die ärmsten Bauer immer in der Hand haben. Mein Sohn, sagt der Vater und fährt fort zu essen, damals war es verboten, etwas Körperliches zu zeigen. Ja, sie sprachen damals nicht, aber diese Leute sprechen, sprechen und tun wirklich nichts. Das ist ganz egal. Ich spreche jetzt nicht von meinen Meinungen frei, da alles, was ich sage, mißbraucht wird. Das wird nicht so verstanden, wie ich will. Das ist wirklich mein Problem, aber will ich schon nichts verändern, da es unmöglich zu sein scheint. Ich kann nichts verändern, diese Papiere sind dieser Leute kostbarer, als alle, alle Menschen, ihre Gedanken, die ich liebe. Die Fesseln! Das ist alles, was ich mir vorstellen kann. Das ist mein Leben und kann ich leider nichts tun. Jemand schreit immer: halt!, sonst… Dieses Wort höre ich immer, wenn ich an die Frauen denke. Dieses Wort höre ich überall. Du fragst mich, warum mir niemand gefällt, aber will ich nicht, daß alle wissen, wie, wen, was ich liebe, was ich fühle. Alex setzt sich auf den Stuhl und kaut das Brot. Er sitzt bewegungslos und ja, kaut das trockene Brot. Der Vater schaut sich ihn an. Vor einigen Monaten, war ich in einem Laden. In dem Laden stand ein Mädchen, zwanzig oder neunzig Jahre alt. Ich wollte sie kennenlernen, begann mit ihr Deutsch zu sprechen, aber sah sie sehr erschrocken aus. Vielleicht, hatte sie nicht darauf gewartet, daß Jemand hier Deutsch sprach. Die Verkäuferin schaute mich mit ihren bösen Augen so an, als wäre ich ein Räuber, mir wurde übel, ich ging schnell raus während das Mädchen zu mir sagte: es tut mir leid, aber meine Eltern warten auf mich schon lange, und lief. Ich weinte nicht… Früher konnte ich zu viel weinen. Das ist nicht nur mein Problem; mein Glaube ist noch nicht zu schwach, aber ist das nicht alles. Ich bin ein unglücklicher Mensch. Vielleicht können diese Leute noch glücklich sein, wenn sie jemanden unterdrücken, und diese arme Verkäuferin tut mir auch leid, da sie alt ist und niemand ihr ein Recht gibt, so zu sein, zu leben, wie sie will. Diese Leute, die sie jeden Tag sehen, leugnen, daß sie sich um sie kümmern, und weiß sie schon nicht, wie arm sie ist. Ich will nicht, daß mir jemand etwas verspricht! Wie heute! Solche Versprechungen brauche ich nicht! mich verlassen alle, da sie gut wissen, daß sie mir nichts versprechen können. Zahlreiche Verpflichtungen, die der Staat gründet, alle Verpflichtungen, die sie, diese Politiker wahrnehmen, sind mir ganz unverständlich. Warum sollen diese armen Leute ihre Bedingungen akzeptieren? Warum haben sie keine menschlichen Bedingungen. Die Mehrheit macht immer das, was der Minderheit gefällt: der Mehrheit gefällt, was heute modisch ist, sie verwirklicht, was die Minderheit bestellt, und ist das keine Tragödie! Die Mehrheit hat nicht das gerne, was sie liebt, sondern das, was diese Null, diese absolute Leere, die Minderheit sagt. Sie strebt nach der Minderheit, Schritt für Schritt, mühsam, weil was sie tut, modisch, geschmackvoll ist! Wenn ich von der Minderheit spreche, meine in keinem Fall nur eine soziale Minderheit. Über welche Minderheit spreche ich jetzt? Sie ist so unterschiedlich, wie jede Wolke, die die Sonne verbirgt an jedem Ort und in jeder Zeit. Auch diese Vielfältigkeit: sie ist jetzt so künstlich, wie jedes Spielzeug, das wir lieben, alles, was wir uns anziehen, essen, riechen, hören oder sehen, wenn wir genug naiv sind, und wenn das uns noch gefällt. Das ist fantastisch, da unsere Sinne keine Grenzen haben! Wir sind nicht genug vernunftlos, um sehr dumm werden zu wollen. Das ist jetzt nichts mehr, als ein Stern, der in der Ferne glänzt. Was können wir jetzt sagen? Nichts mehr, als diese Unsinne, die meine Ruhe verhüllen. Das ist vielleicht keine tödliche Ruhe, da wir noch am leben sind. Noch nicht. Einmal, wollte ich zu viel sprechen, jetzt ist das unmöglich. Ich habe keine Lust mehr. Ohnehin versteht niemand, was ich sage. ich spreche zu viel auch über diesen Tunnel des Lebens, aber ist es jetzt zum Glück vorbei. Das ist sehr angenehm. Unsere Zeit flieht. Manchmal denke ich an diese Ereignisse. An unsere Ergebnisse denke ich auch zu viel. Was bleibt übrig? Was sehen wir hinter uns? Meine Unterrichte, alles, was ich gelernt habe, sind schon untauglich. Was wollen wir tun? Verunreinigen wir immer die Zukunft? Ja, Wir sind vollkommen, alles ist vollkommen! Das macht mir viel Spaß, besonders, wenn ich schlafe. Am liebsten hätte ich jetzt eingeschlafen. Diese Geschichten sind hier nicht interessant, noch nicht. Hier. Also, ich sehe. Meine Ruhe stört mich, selbst. Ich kann nicht einschlafen. In dem besten Sinne des Wortes, ich warte auf nichts mehr (ich warte sie oder ihn, oder sie oder das). Sie spricht nicht. Vor einigen Tagen, wollte ich sie wieder besuchen, aber tut sie mir schon nicht leid. Es ist sehr unangenehm, viele Leistungen, genau, wie beim Sport zu erzielen. Aber zum Glück ist die Liebe kein Sport. Das ist sehr anstrengend und deprimierend, genau, wie in jeder Kaserne. Du liebst dein Leben, erinnerst dich an DEINE Zeit. Warum ist das deine Zeit? Wir haben keine Zeit mehr. Sie ist, kurz gesagt, nur eine Quelle. Möchtest du wieder diesen Tee ohne Zucker? Ich möchte sie schon nicht mehr trinken. DAS wird jemand unbedingt tun. Dann, einfach, da es mir nicht sehr schwierig ist, diesen Panzer zu tragen. Inzwischen schaut sich der Vater den Aschenbecher an. In den Wolken ist es vielleicht zu kalt. Hier bleibt nur unsere Entscheidung. Wir wollen wieder die Angst vor alles haben, oder gegen alle kämpfen. Was haben wir verloren? Was verlieren wir? Backsteine: sie sind in unserem Hof zu rot. Die Liebe: sie kann uns retten. Sie kann uns immer retten. Bis heute ist es dunkel. Es tut mir sehr leid! Ich liebe nicht diese ewige Hochzeit der Natur. Weißt du, warum diese armen Leute in die Kirche gehen, wenn jemand ein naives Mädchen heiratet und warum sie der Hochzeit beiwohnen? Sie sind hungrig. Die Leute sind hungrig, da alles zu teuer ist (kostenlos ist wirklich nur die kalte Luft, jetzt, und manchmal sie auch nicht). Ich bin verzweifelt, aber sehr ruhig. Jetzt sitzt du an diesem Tisch, ißt und bist du glücklich, da du noch am Leben bist. Nein, niemand hilft ihnen, da es keine Pflicht ist. Das ist komisch. Die Leute wollen jeden Mann, jede Frau kontrollieren, die auf die Zigarette oder den Wein verzichten. Ihre Energie ist nicht wunderbar, trotzdem sie wirklich sehr stark sind. in jeder Zeit merkt man sich etwas. Aber etwas verschwindet. Jedes Gesicht in der Gosse sieht jedoch besser aus, als irgendwo, in der Dunkelheit. Diese Kinder gehen jetzt vielleicht nach Hause. Wer wartet auf sie? Ihre Eltern. Dieser Junge, der seine schwere Mappe trägt und pfeift, hat keine Lust mehr, zu leben. Er lernt, was ihm gefällt und was ihm nicht gefällt. Das ist in seiner Eigenschaft stark angewurzelt. Diese Leute brauchen viele frische Gehirne, leere Herzen. Das brauche ich nicht zu wissen, sagt der Vater. Er ist nervös und ist seine Bohnensuppe schnell. Ohnehin ist alles hässlich, Alex. Ich wollte auch einmal wirklich etwas tun, in meiner Zeit, meiner Jugend. Ich wollte ein Auto kaufen, du weißt, mir gefallen nur die teuersten Autos und die schönsten Frauen. Ich bin heute nicht mehr so jung. Jedes Auto, das mir gefiel, war zu teuer und arbeitete ich Tag und Nacht, in Zestafoni konnte ich auch nicht einschlafen, wenn ich nur von meinem ersten eisernen Pferd träumte. Der Markt ist wechselbar: jetzt sind diese Autos nicht modisch, aber das sind jetzt wirklich noch lebendige klassische Autos. Jetzt brauchen wir mehr Fußgängertunnel, aber damals, nur ich und noch Merab hatten neue Autos, in dem ganzen Gavazi. Ich bin stolz darauf, daß ich diese wirklich schöne Zeit erlebt habe. Manchmal (ich bin auch kein Kind) träume ich von meinem ersten Auto, mit dem jetzt… Gott weiß, was mit ihm los ist. Vielleicht gehört es jetzt einem Idioten. Die Straftäter sitzen im Gefängnis. Alle unsere Gefängnisse sind übervoll, es gibt keinen Platz mehr. ich freue mich, daß wir endlich in einem wirklichen, starken Rechtsstaat leben. Das ist unser Rechtsstaat: Georgien. Georgien ist unser Land. Unser Staat! Nein, hier gibt es keine Vorstellungen über eine sehr starke Form des Staates, wirklich! Ich bin immer glücklich, wenn ich mir diesen riesigen Körper, den Staat, unseren Staat vorstelle, der uns zwingt, das Leben zu erkennen. Diese Leute brauchen uns, wir brauche sie. wir achten uns gegenseitig. Iß nicht so, mein Kind, Alex sitzt und besichtigt einen kleinen Marienkäfer, der auf der leeren Kognakflache sitzt, das Essen ist die höchste Kultur!, die du nicht verstehst, trotzdem du mein Sohn bist. Was wollte ich sagen?.. Ja, diese Leute sind nicht dumm, sie wissen sehr gut, was richtig und was unrichtig ist. Alles wissen sie sehr gut. Ich stimme ihnen zu, immer, wenn sie jemanden verhaften. Ich drücke meine Zustimmung so aus, er lacht. Das ist natürlich nicht meine Sache, aber ich interessiere mich immer für unsere innere Politik: ich wollte einmal Rechtswissenschaft studieren und wohnte Vorlesungen in Moskau bei. Ich wollte immer besser und besser studieren. Ein Jahr ist jedoch zu wenig. Lückenlose Beweise, die wir manchmal im Fernseher sehen, brauchen wir zu erkennen. Unser System wirkt nicht auf meine Nerven: wir können noch leider nichts Besseres erfinden. Unsere Kinder sind immer froh, wenn niemand über unsere, nationale, christliche, sexuelle Moral spricht, weil sie zu müde sind: wenn eine Frau manchmal nicht nur von ihrer eigenen Sexualität spricht, masturbiert und tut nichts. das ist keine Tragödie, da wir sie in ihren Hörsälen und dann zu Hause brauchen; solche Frauen sind sehr fleißig. Das ist eine richtige Entscheidung: die Familie. Man muß erfahren, wie peinlich das Leben ist. Alex, wir sind nicht die besten Menschen, aber wir leben in dem besten Viertel in dem ganzen Gavazi. Du wohnst jetzt wieder in deinem eigenen Zimmer. Wir sind froh, daß wir leben. Niemand hält uns für Tiere, glaube mir, mein Sohn, das ist nur deine Vorstellung. Du irrst dich. Ich kann das in jeder Zeit beweisen. Wir wissen nichts, wir stehen, liegen oder sitzen immer in der Dunkelheit. Unsere Sprache ist ganz praktisch, wir sprechen immer gerne über alle Kleinigkeiten und sind wir selbst nicht krank. Du bist selbst krank. Bald kommt deine Mutter. Ihr mußt bald nach Tiflis, zu diesem Arzt fahren, der wahrscheinlich alles weiß, was du brauchst. Dein Zustand ist noch nicht sehr schwierig. Manchmal kommt es mir vor, daß ich dich wirklich kenne, aber in Wirklichkeit kenne ich dich nicht. Dein Geist liegt im Dünger. Viele Unsinne wiederholst du! Es tut mir leid, daß die Ausbildung krank macht. Du bist sehr hoch intelligent; das ist nur dein Problem. Wer braucht unsere Intellektuellen eigentlich? In deinem eigenen Zimmer kannst du ruhig bleiben, und die ganze Zeit verbringen, wie du willst. Ich bin ein würdiger Mensch. Diese Schweine (du kannst selbst verstehen, welche Leute ich meine) haben keine Würde: ja, jetzt will ich auch ganz objektiv sein, trotz deinem Mißtrauen. ich liebe übrigens Schweine sehr. Manchmal setze ich in dem Werk irgendwo, in einer Ecke esse eine Dose Konserve, Käse oder manchmal Wurst und denke an sie: sie sind zu stark. Ich bin schwach, weil sie in diesem Werk auf meinem Genick sitzen. Du hast keine praktischen Begabungen und sitzt du auch auf meinem Genick. Der Sohn muß seinem Vater helfen! Ich arbeite zu viel und abends bin ich immer zu müde. Ich kann an nichts mehr denken, trotzdem ich an diese Wirtschaftspläne denke, die nicht meine Sache ist. Unser Wasserkraftwerk ist eine einheitliche Familie. Unsere Löhne sind etwa zwanzigmal- fünf und zwanzigmal niedriger, als irgendwo in Westeuropa, aber sagen wir nichts: unser Glaube hilft uns, wir wollen immer stark an Gott glauben, den wir, alle schon zum Glück gut kennen. Wir machen keine Pause, wenn unser Arbeitstag beginnt. Aber unsere Bemühungen werden einmal gut geschätzt. Wir arbeiten nicht ganz vergeblich. Das ist keine Absurde, trotzdem alles, was wir und sie: der Besitzer in dem Wasserkraftwerk tun, nach NICHTS riecht. Unser Werk ist unsere Hoffnung. Das habe ich gut gelernt. Wann werde ich nach Tiflis fahren? Fragt Alex ihn. Das hängt nicht nur von mir ab: in dieser Woche, kann ich dir leider noch auch keinen Groschen geben. Bleibe noch einige Tage hier. Es tut mir, mein Sohn, daß du dich so verzweifelt fühlst. Ich und deine Mutter sprechen über diesen Arzt sehr viel. Nur auf einen Blick ist es wirklich unmöglich, jemanden zu bewerten. Ich fahre zu ihm schon zum fünfzehnten Mal, antwortet Alex. Das ist ganz egal. Jedoch mußt du ihm leider deine Geduld zeigen. Jede unsere Nervosität ist dadurch bedingt, daß wir nicht verstehen wollen, das etwas unmöglich ist. Das ist dein Leben. Verstehst du das? Alex schweigt. ich bin ganz vernichtet, antwortet er dann leise und raucht. Und es regnet.



Salvador Dali. Die zerrinende Zeit

21. 02. 2007

 

 

 

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