Verlust

Neuntes Kapitel

Alex steht unter der Gewölbe ihres zweistockigen Hauses und wartet auf Marie vor der Tür. In dem Fenster steht ihr Vater und beobachtet ihn. Hinter seinen Rolladen bemerkt Alex auch sein Gesicht. Alex ist schlicht angezogen, seine Zähne sind gut geputzt (was er oft nicht tut, weil er sogar Geruch der Zahnpasta nicht erträgt, trotzdem er seine eigenen Gerüche auch nicht liebt), seine schwarzen Haare kurz geschnitten, der Mantelkragen hochgezogen, und klopft manchmal mit den Füßen an gleichförmige Backsteine neben dem Topf, in dem die Petersillen stehen. Alles riecht ein wenig nach Osterei; die Bauer mit ihren müden Händen schleppen einen schweren Kühlschrank; in der Straße laufen die Leute lustig, sie sind alle und immer jung, schön und satt! Ihre Köpfe sind voll mit dem uralten Rost, ihre göttliche Energie ist ansteckend. Der Bäcker steht in seiner Bäckerei. Er hat gestern eine alte Frau in Vake besucht, gefickt und erzählt seinen heiligen Brüdern von den Ergebnissen nicht nur des Fußballspiels. Nach Petersilie riecht auch hier, aber ist ihr Duft zu schwach. Der Goldschmied, dessen Beruf ihm sehr wichtig ist, weil er stolz auf sein Leben ist, sagt, er wünsche manchmal sein eigenes Schicksal allen guten Mitmenschen. Sirenen des Polizeiwagens krächzen. Musikalisch weint der Flügel in der gegenüberstehenden Mansarde, der keine Flügel hat, und seine Stimme ist schon lange nicht angreifend. Alex wartet, auf Marie. Alles muß in dieser Stadt angegriffen werden, wir können nichts tun. Die goldene Farbe der Säule des heiligen Georg ist selbstverständlich unerträglich langweilig. Alex ruft Marie. Ihr Vater öffnet in dem ersten Stock die Fenster und greift zu einem langen, gelben Gummistock. Was willst du? Fragt er ihn. Eigentlich nichts, ich möchte einfach Marie besuchen, ich bin ihr Schulfreund, wo ist sie? In der Kirche, antwortet er und nimmt die Zeitung, unter deren Schatten seine Augen glänzen. Warum siehst du mich so an, hat sie kein Recht, heute in die Kirche zu gehen? Nicht alle jungen Leute sind so verrückt, wie ihr, die schon an nichts glaubt, schreit er. Hast du etwas gegen ihren Glauben? Nein, nichts, es ist einfach sehr ungewöhnlich. Was? Fragt der Vater. daß du über ihren Glauben so leise sprichst, sagt Alex. Ja, Das ist sehr originell, lacht er, Marie hat nichts gesagt, daß wir, alle tatsächlich schon in Moskau leben? Nein. Ja, wir fliegen in einigen Wochen dorthin. Warum siehst du so traurig aus? Nein, ich wollte sie nur einmal sehen, mit ihr sprechen und nichts mehr. Nein, es ist wirklich nichts. Der Vater hat auch verzweifeltes Gesicht. Verzeihe mir, ich will nichts mehr sagen, ich habe viel zu tun, sagt der Vater, ich möchte jetzt mein Auto reparieren. Kannst du mir helfen? Nein, ich habe keine Ahnung davon, wie Motor funktioniert, anders gesagt, habe ich auch keine Lust, dir bei dieser langweiligen Sache zu helfen, antwortet Alex ihn, es tut mir leid. Das klingt vielleicht sehr ungewöhnlich, sagt der Vater, aber mir hat diese Rede jedoch gefallen. Leider habe ich wirklich viel zu tun; verzeihe mir, sagt er und schließt die Fenster bald. Seine Tochter, _ ein dummes, aber sympathisches Mädchen steht jetzt in dem Gebäude, in dem noch die Kerzen brennen und alles ein wenig nach Fichte riecht. Für ihr Schicksal entscheidet sich unser Gott im Himmel, er verspricht uns alles. Ihr Vater arbeitet in einem Werk, in Moskau, er ist ein berühmter Physiker. Durch die Tür verschwinden viele, die in dem Nebel, dem Schatten, der Dunkelheit sitzen oder liegen, arbeitslos, aber er selbst arbeitet viel, der dumme Konformist. Wer bleibt aus? Jesus Christus, Jesus Christus, Jesus Christus, wiederholt Marie dreimal. Rettet Sie mit ihren trockenen Fingern jemanden? _ Nein, viel, viel, viel Brot gibt man ihr, steckt in den Mund, und noch einige Tröpfen heiliges Wasser (bis es noch heilig ist; eilen Sie sich, es wird bald seine göttliche Kraft verlieren, Christen!). Unser heiliger Vater läßt uns nie im Stich, nur er kann unsere Seelen retten, murmelt ein junger Priester. Der Schnee fällt und fällt. Er ist ein junger Mann, dessen Augen keine Sonnenbrillen brauchen. Es gibt viele verschiedene Berufe, weil Gott unsere Kräfte überall braucht, sagt er, wir finden jetzt keine Ruhe; er wird am Morgen kommen, um uns unser ewiges Leben zu schenken. Marie bleibt stehen. Ihr Handy ist kaputt und sie kann seine Nachrichten nicht mehr lesen. Der Priester wiederholt und wiederholt das: Heimlich und schrecklich sind deine Wege o Gott. Das ist die Kette, die uns vereinigt, seine Stimme ist ruhig. Wir müssen unsere Schafe nicht verlieren. Die Stunde, auf die wir warten ist sehr schön und schrecklich. Haben wir noch etwas Geduld!

Kein fleischliches Verlangen sollen wir haben, Georgien wird bald Mitglied der EU sein, und wir: Sie, selbst, im Paradies leben, weil wir christlich leben. Aber vergessen Sie das nicht: wir müssen uns für diese Stunde an jedem Tag besser und besser vorbereiten. Viele neue Krankenhäuser werden gefördert, _ die Banken, die unterwegs alles schlucken, sind immer bereit, den Kranken zu helfen. Ein Rettungswagen steht in dem Garten. Marie geht nach Hause, wo auf sie ihre Eltern und Großeltern warten. Ihr macht manchmal Spaß, wenn vor ihr jemand seine besten Lieder singt, aber Alex schweigt, und es macht ihr keinen Spaß mehr, sein Schweigen. Verzeihe mir, ich gehe, sagt sie trocken. Nein, warte, sagt er und versucht seine Gefühle zu formulieren. Nein, Marie, ich wollte zu dir etwas sagen: Ich wollte einmal dich vergessen, verzeihe mir. Du siehst jetzt auch wunderbar aus, du bist sehr schön, flüstert sie leise. Egal, was sie sagen, ich will auch etwas sagen, warum willst du nichts verstehen? Du bist schon ganz verrückt, sagt sie, mein Vater hat mir alles erklärt… Nein, so einen schamlosen Mann habe ich nie gesehen: und er lässt mich nicht in Ruhe, mein Gott! Nein, sie haben selbst kein Recht, ich bin ein Mensch, sie, alle, dürfen das nicht tun; Sie dürfen mich nicht vergessen. Das ist unehrlich, unehrlich!, weint er. Nein, ich will nichts mehr hören! Laß mich, bitte, in Ruhe, schreit sie. Glaubst du nicht an Gott? Gut, ich glaube auch nicht an ihn: an Gott glaube ich nicht, an ihn kann ich nicht glauben, weil er mir nie hilft, während ich ihn um seine Hilfe bitte, aber ich kann dich jedoch nicht mehr lieben. Ich bin in dich nicht mehr verliebt. Ich will nicht mit dir sprechen, ich hasse alle Männer, die mich, wie du, belästigen: muss ich alles sagen?! Du scheinst verdrießlich zu sein, es ist bedauerlich. Mir ist egal, ob du an Gott glaubst, warum kannst du das nicht verstehen? Antwortet Alex sie. Aber mir ist auch ganz egal, ob du mich liebst. Die Liebe ist immer glücklich. Gut, ich gehe jetzt. Verzeihe mir: ich bin ein schreckliches Mädchen. Nein, du bist nicht schrecklich, warum denkst du so? Sagt Alex. Beide stehen ruhig und die ganze Straße: die Leute, die immer unbefriedigt sind, auch ohne zehnmal in der Woche befriedigt zu sein, die nicht wissen, was sie wollen und glauben, daß nur sie _ da sie früher oder später, das erzielen, was sie wollen: Autos, Haus, Schwimmbad, eigene Liebhaberinnen und, selten, Liebhaber, die sie haben, wissen, was sie wollen, beobachten einen jungen Mann, der steht und weint, und freuen sie sich darauf sehr: sie besiegen, vernichten immer alle und, ihrerseits, sind sie auch immer besiegt und vernichtet (aber bemerken sie das schon nicht mehr... Das hat keine Bedeutung, wen oder was sie besiegen). Sie sehen einen schönen jungen Mann, der vor dem Haus steht, in dem ein Mädchen wohnt, das nicht mehr wissen will, wie allein er ist...

Es dämmert. Alex geht, aber er weiß nicht, wohin. Ja, ich habe nichts dagegen, daß sie ihre Träume, Meiningen, Lust haben, ich bin ihnen eigentlich überhaupt nicht böse: böse kann ich nicht sein, aber ich will leben! Sagt er. SIE wollen mich alle vergessen, aber schon ohne KZ- oder sozialistischen Lager, so, ohne besondere Schwierigkeiten wollen sie mich isolieren... Ich habe keine FreundInnen. Er kann nicht verstehen, warum: er liest keine Zeitungen und Zeitschriften, Fernseher liebt er auch nicht (wir sprechen jetzt nicht über seine Erfahrungen), wenn er im Internet manchmal etwas liest, das sind zumeist die Texte in der Enzyklopädie und nichts mehr; er kann nicht verstehen, wie unbarmherzig diese Leute sind (das klingt auch nicht mehr modisch!). Er kann auch nicht verstehen, daß es keine einzige Wirklichkeit ist: leider hat jemand manchmal keine Lust, das und das zu verstehen.

Noch eine Halbstunde werde ich hier stehen, sagt er. Manchmal kommt es mir vor, daß wer gut gepanzert (reich, bewaffnet, etc., mit diesem Wort meint er das) ist, klug ist, als wir, sagt er, sein Schulfreund oft. Er wohnt in einem roten zehnstockigen Haus in dem östlichen Bezirk der Stadt. Alex darf manchmal in seiner Wohnung übernachten; manchmal, wenn er zu ihm kommt, beginnt er, der sogenannte Freund, Abel, über die Literatur und Musik zu sprechen und es ist immer sehr peinlich: nachdem z. B. Alex einmal eine Woche in seiner Wohnung verbracht hatte, mußte er fünf Tage dann in einem Krankenhause hocken, weil er in dieser Zeit absolut nicht schlief... Kostenlos kann man jetzt viele Menschen, die Mehrheit auch erfolgreich ausbeuten, weil sie etwas verstehen (wenn sie immer nicht ans Geld denken). Alex weiß, fühlt das, jedoch kann er das nie und nirgendwo vermeiden: manche haben ihr Eigentum, nur in einem bestimmten Ort, manche, nur einige Begriffe. In einem gelben Bus, in dem die Leute regelmäßig ächzen, sitzt er und fährt. Ein Paar auf den Stühlen links von ihm flüstert, sie können NICHTS weder in diesem Bus, noch zu Hause tun, wenn sie allein bleiben. Manchmal sagt der junge Mann, er liebe seine Großeltern; die Wohnung gehört seiner Großvater und bleiben sie, beide fast nie allein. es tut ihm sehr leid, daß sie sehr alt sind und bzw. in jedem Augenblick sterben können. Er hofft auf seine Freunde, die ihm seinen, von ihm verdienten Arbeitsplatz in einem modernen, renovierten Gasthaus versprechen, seine Freundin _ eine ruhige, müde, zwanzigjährige Frau (ihr Körper ist auch unantastbar, aber nicht so, wie ihre Würde). Sie haben immer sehr wenig Geld, und wollen sie nicht unruhig sein, sie sprechen oft: selbst uns gefällt unser leben, und nie sprechen sie über ihr leben besser, das unerträglich ist. Der Mann sagt manchmal, er habe keine Angst vor etwas mehr: Sein Geschlecht verpflichtet das und sagt er oft nichts mehr, schweigt; das verpflichtet auch, unschön, gefährlich zu sein. Unsere jungen Männer gefallen mir nicht, wiederholt seine Großmutter, nur unsere Frauen müssen gütig sein, die Männer sind nicht freundlich, aber sie gefallen mir jedoch nicht: sie sind gefährlich. Wir sind die ersten Europäer, wiederholt der junge Mann oft. Europa: das ist wunderschön. Wir sind die besten Europäer, das heißt, die besten Menschen unter den besten Menschen. Alex will sich für dieses Paar nicht interessieren und anstarren. Er ruft seinen Schulkamerad an: ja, ich bin heute zu Hause, antwortet er, ich bleibe hier, wann kommst du? Jedoch ist er ein seltener Mensch, der ihm manchmal hilft und sich für die Kultur interessiert; er braucht soviel Kultur, wieviel er verbrauchen muß; der Schulfreund will Staatsanwalt werden. Alex zahlt das Geld, steigt aus und geht. Er denkt sehr viel, dann nickt und setzt sich auf die niedrigste Stufe in einem Hause, dessen Wände, gewöhnlich, weiß und blau angestrichen sind. In der Straße werde ich diese Nacht verbringen, sagt er. Manche Verkäuferinnen stehen direkt in der Straße neben ihrem langen Tisch, auf dem Wurst, Schweineschenkel, Chatschapuri, Pizza und Getränke ausgestellt sind und warten auf ihre Klientinnen und Klienten. Müde Menschen aus China haben heute lange gearbeitet. Sie bekommen etwa dreimal weniger, als qualifizierte Georgier (3 Lari, ohohoho), sie sind sehr müde, aber zufrieden, und ihre Unternehmer freuen sich darauf, daß sie schon in einem modernen, entwickelten westlichen Lande leben (wie der Präsident oft sagt), das schon seine eigenen Ausländer hat, weil sie körperlich, billig, oft auch kostenlos arbeiten. Die Fotos hängen an diesen Gebäuden und diese Frauen mit ihrem kalten Blick bezaubern die Soldaten, die keinen Fernseher in ihren Kasernen haben und die immer gerne masturbieren. Läßt uns dieser kalte oder warme Blick nie im Stich, wenn wir verzweifelt sind, wenn, überhaupt, wir in dieser Zeit, verzweifelt sein können? Die Frauen dürfen sich kostenlos den Männern sogar nur ihre Brüste nie zeigen: das älteste Recht auf die erste Nacht bleibt in Kraft, wenn Parlament, Gericht etc., ficken. aber das ist, alles schon komplizierter, als gestern, da heute alles seinen streng bestimmten Preis hat. Können die Menschen, die sich schrecklich fühlen, und sich jedoch anziehen sollen (es ist bedauerlich, daß sie nicht wissen, daß hinter den Kulissen jemand immer flüstert und über sie lacht!) und ihr kalter, müder, erschrockener Blick schön sein, den wir an jedem Tag, überall sehen? Die Angst ist in ihnen schon lange gepflanzt und sie blüht. Der kalte Krieg der Menschheit gegen die Menschheit. Sie verkaufen die menschliche Schönheit, wie z. B. Das Wasser oder die Luft, und wir dankbar, daß wir noch atmen. Alex geht. Sein Weg hat jetzt keine Grenzen! Tragisch.; er will unterwegs irgendwo die Ruinen finden, in denen es immer möglich ist, zu übernachten. Zahlreiche Mädchen schlafen in diesen Häusern und ihren kalten Zimmern, diese Frauen, allein, und beschäftigen sie sich vor dem Schlaf mit nichts (Masturbation, das ist auch ihre ewige Religion, nicht das Christentum!) oder werden manchmal, selten von einem langweiligen Tier vergewaltigt (Maciavellismus! Alarmierend! sexueller Maciavellismus. Menschen weden um jeden Preis Menschen aufgerissen und vergewaltigt, sowohl indirekt („simpler“ Maciavellismus), als auch direkt (sexueller Maciavellismus) ). Alex steht schon in den Ruinen eines alten, während des Krieges gebrannten Hauses. Der Polizeiwagen fährt an ihm vorbei, er lebt schon in seinem Paradies! Sie wissen nicht, daß er kein Geld hat, d. H., heute die Schwächeren nicht vernichtet. In den Ruinen riecht es ein bißchen nach Rose; in dem Mülleimer neben der Treppe liegt ein Rosenstrauß; sehr schnell sterben sie. Natürlich, kann ich hier nicht einschlafen, es ist hier unmöglich, es ist hier zu kalt, besonders in dieser Nacht, sagt er. Er sitzt und denkt an nichts. Er setzt sich auf einen alten Stuhl mit drei rostigen Beinen, beginnen sich seine Augen an die Finsternis zu gewöhnen und er bemerkt inzwischen einen jungen Mann, der neben dem rostigen Mülleimer, direkt auf der eiskalten Erde sitzt. Alex kann nicht schweigen und ihn so beobachten: er kommt zu ihm und lernt ihn selbst kennen.

Sein Mantel ist alt, er selbst: nicht schmutzig, sondern erschrocken, weil jemanden in diesen Ruinen sieht. Mein Name ist Guram, sagt er leise, und das ist mein privates Gasthaus. Das wußte ich nicht, antwortet Alex ihn, vielleicht ist dein Gasthaus nicht sehr teuer und hast du auch nichts gegen mich, weil ich heute diese Nacht hier verbringen will. Nein, natürlich nichts, du kannst hier gerne bleiben. Niemand hört mir zu, aber ich will immer jemandem meine Geschichten erzählen, natürlich, wenn ich nicht schlafe. Heute bin ich in guter Laune, wie du. Wirklich? Fragt Alex. Ich habe Magenkrebs, diese Ärzte überzeugen mich davon, daß ich im besten Fall, nur noch vier oder fünf Monate zu leben habe: das ist genau das, was ich im Ausland verdient habe. Nein, ich kann nicht konkret sagen, das ich etwas verdiene oder nicht verdiene, aber das ist schon klar. Vielleicht denkst du jetzt daran, daß ich an Gott glaube. Ja, antwortet Alex. Ah, in unserer Zeit, glaubt niemand an Gott, aber ich glaube an ihn, weil ich in einer alten, echten christlichen Familie geboren bin, wie wir, alle. Ich will über meinen Glauben, _ alles, woran ich heute glaube, sprechen, wenn du viel Geduld hast. Ja, ich höre dir gerne zu, sagt Alex. Wenn du willst, kann ich meine Geschichte erfinden und dir alles erzählen. Ich kann eigentlich über meinen ganzen Glauben in dieser Nacht, diesem Jahr oder diesem Jahrhundert nicht sprechen. Ja, das ist mir leider ganz verständlich, sagt Alex ihm. Ich reise durch die Welt. Nein, ich bin kein romantischer Mensch, ich will nur ein Geld vedienen, und werde ich jetzt über die Länder, in denen man mich so oft verhaftete, nichts sagen, er trinkt einen Schluck Wasser. Er fährt fort zu sprechen: in einem Lande _ das klingt sehr ungewöhnlich, _ zwei Wochen hatte ich so verbracht, daß mich niemand festnahm, und fühlte ich mich, stellst du dir das vor?, ein wenig unzufrieden… Selbst kam ich einmal zu den Polizisten und sagte, daß ich meinen Reisepaß verloren hatte. Sie ließen mich gewöhnlich in eine Zelle verbringen und schlugen sie mich, sechs oder acht Polizisten, zwei oder drei Stunden lang, gleichzeitig, als sie meinen Reisepaß in der Tasche dieses Mantels fanden. Die Zelle war zu eng, ihre Wände waren rot, ich wollte fliehen und alles vergessen. Ich hoffte auf ihre menschliche Hilfe, aber helfen sie mir, diese Polizisten, bis heute nicht. Dann begann ich an meine ungewöhnliche Lage zu denken. Ich bin zum Sinn gekommen, daß ich ruhig bleiben soll… Warum? Diese Leute vernachlässigen mich, meine menschliche Natur, alle, die draußen ruhig Unsinne reden, die die Tür suchen, die nicht besteht… Und ich versuche zu verstehen, daß jeder Mensch sein Leben hat, sein Leben so teuer ist, daß niemand seinen Preis kennt, und wenn jemand, so oder so, den Anderen ermordet, ist er selbst tot, weil… Ich will nichts mehr sagen, hier will ich schweigen. Ist alles sehr entsetzlich, was ich erzähle? Nein, sehr interessant, sagt Alex. Es ist sehr bedauerlich, aber ich fühle mich jedoch nicht schlecht: ich kann dir leider nicht helfen. Ja, ich verstehe das. Eigentlich, warum bist du heute in diesen Ruinen, hast du auch keinen Platz unter diesem Mond? Guram lacht zu viel. Alex beginnt zu schluchzen, dann schweigt, steht auf, uriniert, setzt sich, greift zu der Flasche, trinkt Wasser und weint. Ja, ich kann heute auch weinen, da morgen schon zu spät sein wird, sagt Guram, niemand braucht mich; alle, die ich überall kenne, haben ihre eigenen Sachen. Ja, diese Leute glauben nicht an Gott, sie wissen nicht, daß alles, was sie tun, schon getan ist. Zahlreiche Spielzeuge, die sie produzieren _ was sind diese Spielzeuge im Vergleich zu seiner ewigen Harmonie?! Was möchtest du jetzt sagen? Du schweigst, du hast nichts zu sagen, da du nichts weißt. Müssen wir alles reparieren, was zu reparieren ist, weil uns etwas zwingt, zwingt, und zwingt unserem Leben immer eine neue Bedeutung zu geben? Das heißt, wir wissen nichts, wir können nichts wissen, jeder Sinn, den wir klauen, gehört ihm. Das ist unsere Realität, und wir können nicht anders denken! Wir tragen Kein Risiko, weil jedes Problem er selbst unabhängig erledigt. In Tränen schwimmen wir immer, wenn wir unzufrieden sind, und wir arbeiten unermüdlich, jeden Tag. Das kann ich bemerken, trotzdem ich so unbegabt bin. Das konnte ich eigentlich immer und überall bemerken. Ich bin kein Professor, aber ich kann das bemerken. Und wir schweigen, weil uns nichts gefällt, aber wir müssen jedoch alles dulden. Und ich warte auf ihn; er wird kommen. Das ist mein Leben. Mein Leben ist schön, trotzdem ich liegen und auf den Tod warten muß. Ich muß zuerst in einem modernen Krankenhaus, dann unter einem schönen Grabstein liegen. Egal, das ist ganz egal und ich verstehe das, trotzdem ich kein Doktor bin. Unsere klare Wirklichkeit zu erkennen, das ist unsere peinliche Pflicht, wenn wir zu denken und an etwas zu glauben beginnen. Das ist unsere allgemeine Pflicht. Was ist das? Ich stelle mir jetzt vor: ich stelle mir vor, daß ich jetzt in einem Gemüsegarten stehe oder sitze, wo Gurken stehen, Wassermelonen und Melonen haben ihren Platz, alle höchsten Tannen (oh, die höchsten Tannenbäume) stehen und auf ihren Wipfeln zwitschern die Vögel. Nein, ich sitze auf einem Steintrog, mich verläßt in diesem Garten niemand, weil ich ein normaler Mensch bin. Wir tun etwas, wenn wir leer sind. Und ich bin in diesem Garten, ich fühle seine unerkennbare Macht, und unter meinen Füßen fließt ein Fluß. Noch diese Wolken sehe ich, im Himmel, sie soll ich auch nicht vergessen. Ernst, an vieles denken wir ernst tun wir alles, was wir tun. In meiner Kindheit roch alles nach Fichte. Ein Eichhorn gefällt mir sehr _ ich sehe, wie er springt. Wird jemand viele Lichter bemerken können? Heute ist alles unvermeidlich, Guram schweigt und schaut sich Alex an. Er schweigt auch, dann beginnt zu sprechen: in deiner Rede ist vieles wahr, vieles _ unverständlich. Ich interessiere mich dafür, was wahr und was falsch ist. Eigentlich, wer zwingt uns und erlaubt uns nicht, uns oft frei an- und umzuziehen?, wenn es uns gefällt: unsere Körper gehören nicht uns, da wir noch am Leben sind! Wer mißbraucht und provoziert unsere Gedanken? Wir sind doch noch heiß! Und müssen wir jedem Menschen dafür dankbar sein, daß er noch diese Luft, die wir atmen, nicht verkauft… unsere Gefühle, unser Gewissen zwingen uns, an etwas zu glauben, _ so sagen wir oft, weil wir auf unsere ewigen Helden, unsere eigenen Autoritäten hoffen, die in unserer Fantasie existieren und auf unsere Gegenwart, die Zukunft tödlich wirken, sie, unsere religiösen Vorstellungen vergiften sie: das ist immer schon unsere gemeinsame Vergangenheit und niemand will für die, die diese Kälte mit ihrer Macht erobert hat, sorgen! Wir suchen wirklich immer unsere innerlichen oder äußerlichen Feinde, die wir selbst erfinden, da wir nicht wissen, daß sie nicht unsere Feinde sind. Wir brauchen viel Romantik, ohne die immer alles geschmacklos aussieht. Das ist unsere Mutter, die Natur, von ihr können wir vieles lernen, sagen wir oft, weil z. B. die Spielfilme, die manche Regisseuren über diese Natur drehen, uns zwingen, gegen alle zu kämpfen, die viel Zeit haben und unsere Feinde sind. die Schwächsten sind unsere Feinde, alle sind unsere Feinde! So bewegt sich die Erde, auf der wir diese tödlichen Unsinne tun!!! Diese Unsinne _ sie können wir immer, überall ertragen, da wir so schwach sein wollen. Wenn wir etwas tun, denken wir daran, daß alles seine zerstörende Phase haben kann, und in der Welt, die wir erobern wollen, kann es einmal wirklich dunkeln. Egoistisch sollen wir sein, während die Uhr tickt: so: tick tack, tick tack, tick, tack tick und tack. Vergiß nicht, daß wir in den Ruinen sitzen, in denen alle Steine stöhnen. Du bist verrückt, schreit Guram. Alex schweigt. Ich bin in Georgien angekommen, und will in meiner geschichtlichen Heimat ruhig sterben. Aber nachdem ich erfahren hatte, daß ich diesen Magenkrebs hatte, fand ich hier auch leider keine Ruhe. Wer hat das gesagt? Fragt Alex. Ein Arzt, der in dem zehnstockigen Krankenhaus, neben dem Hauptbahnhof wohnt. Ich besuchte ihn fast an jedem Tag, bis heute. In Moskau gibt es auch viele Bahnhöfe, aber ist es schon nicht interessant. Schon damals zweifelte ich daran, daß ich wirklich schwierig krank war. Diese Ärzte lachen über diesen Sinn, meinen Sinn, aber ich weiß, daß ich Magenkrebs habe, sagt Guram. Ja, ich habe weder Blutdruck, noch Fieber, aber will ich diese Krankheit haben. Alles ist verständlich, sagt Alex sehr leise. Ja, ich bin, tatsächlich, ein Ausländer, ich bin in Moskau geboren, meine Eltern sind nach dem Unfall in Tschernobyl gestorben…, Hast du kein Geld? Hast du wirklich keine Verwandte oder Freunde? Das gefällt mir nicht, sagt Guram. Nein, ich habe bis heute noch wirklich ein bißchen Geld, ich versuchte ein Zimmer zu finden, aber ist es den Dörflern und Männern ist hier, überall immer schwierig, eine Wohnung zu finden. Du kannst dich darüber ärgern, aber ich bin wirklich nicht krank, sagt Guram und lacht. Alex sagt kein einziges Wort. Er kann sich nicht vorstellen, wie er mir leid tut, denkt er. Guram stellt ihm zahlreiche philosophische Fragen, und als die Sonne aufgeht, ist Alex schon sehr müde.



Salvador Dali. Die zerrinende Zeit

21. 02. 2007

 

 

 

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