Kunst und Wahrheit

Ich habe noch etwas zu erzählen. Aber ich hasse lange Reden. O, die Welt, lass mich reden, lass mich sein, lass mich leiden, lass mich verliebt sein, lass mich geliebt sein, oder nicht mehr sein. Die arme Nadezhda Tolokonnikova, sie muss in einem russischen Krankenhaus liegen, während wir Kaffee, Cola oder Bier trinken und über unsere alltäglichen Unsinne diskutieren. Die KünstlerInnen müssen in Russland verhaftet werden, wenn sie wahre KünstlerInnen sind und bzw. wenn sie warme Herzen in der Brust haben. Putin ist selbstverständlich für das alles verantwortlich, er hat das ganze Land in sein eigenes Gefängnis verwandelt, mitsamt der russischen orthodoxen Kirche, der freie Sex muss in Russland schon verboten und verhaftet worden sein, ein blauer Vogel in einem sowjetischen Panzer, ohne Luft, zum Tode verurteilt, kein Sex mehr, kein freier Sex in russischen Mussen, wo es ohnedies von diesen verstorbenen Tieren nicht genug gut gesehen werden könnte, wie wahre Menschen DAS machen, und kein verstorbenes Tier wird es lernen können, wie man die Liebe geniessen könnte, wenn nicht das harte russische Regime, alles klar?; die Tiere regieren, sie haben die Menschenwelt bereits erobert, die Bären sind an der Spitze der Macht, sie können Ski laufen oder Motorrad fahren, sie können bereits sogar sprechen (Putin spricht zum Beispiel), aber sie mögen keinen anderen Bären und keinen einzigen Menschen, sie mögen nur vielleicht Honig, Kastanien, Blut und (Gold)Fische, aber sie mögen keinen einzigen Menschen. "Ich habe so ein schlechtes Gewissen, dass ich Nadezhda nicht genug gut erzogen habe, denn was sie in diesem Museum getan hat, ist für mich sehr erniedrigend. Mir fehlen die Worte...," sagt die Mama, und ihre Tochter muss ihre Begierde selbst ohne andere Männer und Frauen befriedigen, wie das alles die absolute Mehrheit in Russland oder in Georgien tut, die süsse Mehrheit, all diese Träume von einem menschlichen Privatleben müssen vernichtet werden, und all diese LehrerInnen, SchülerInnen, StudentInnen, Krankenschwester und ich weiss nicht, wer noch, müssen zu Hause oder in öffentlichen Toiletten alleine masturbieren, verängstigt sein, besonders die Frauen, weil für sie es verboten ist, sich in sexueller Hinsicht frei auszudrücken, wie es Nadezhda einmal in einem russichen Museum sehr menschlich getan hat. Die Tiere wissen das nicht, sie wissen es nicht, wie süss der Sex ist, Asche zu Asche, Tier zu Tier, Wasser zu Wasser, selbst der Mensch ist eine Tierart, und wenn sie mir es nicht glauben, kommen sie nach Russland, für Sie ist da alles offen, nur die Körper bleiben verschlossen, in diesem grossen Zwinger, in Russland, wo man bestraft werden kann, wenn man nur tanzt, singt, schreibt, spricht, Gruppensex hat, kurz gesagt, menschlich lebt. Das hat kein Ende, wir schreiben über diese Probleme unendlich, aber diese Probleme sind auch unvermeidich, die sind unlösbar forever, sie haben kein Ende, diese dummen Probleme, weil man keinen Willen hat, weil man nicht weiss, wie menschlich es ist, keine Scham zu haben! Und Russland vermeidet bereits jede Art von Erotismus, ich finde, in Russland sogar Gil Elvgren könnte schon verboten und verhaftet werden.

Laß, o Welt, o laß mich sein!

Locket nicht mit Liebesgaben,

Laßt dieß Herz alleine haben

Seine Wonne, seine Pein!

Was ich traure weiß ich nicht,

Es ist unbekanntes Wehe;

Immerdar durch Thränen sehe

Ich der Sonne liebes Licht.

Oft bin ich mir kaum bewußt,

Und die helle Freude zücket

Durch die Schwere, so mich drücket

Wonniglich in meiner Brust.

Laß, o Welt, o laß mich sein!

Locket nicht mit Liebesgaben,

Laßt dieß Herz alleine haben

Seine Wonne, seine Pein! *

(Gedicht von: Mörike, Eduard *)

Also, wir wollen uns aus dem dummen Streit der Welt heraushalten. Und ehrlich! Lass uns du, dumme Welt, lass uns frei sein, lass uns leiden, lass uns frei leiden, lass uns andere Menschen lieben, lass uns sein, lass uns sein, lass uns endlich unendlich sein, du Unmensch!

free Pussy Riot!

Freedom to Nadja!

Hände weg von dieser Frau!

Hände weg von uns!

sie will leben, sie will frei sein und frei leben und ich will, dass sie frei ist und frei lebt, du verdienst sie nicht, du verdienst uns nicht, du bist zu dumm für uns, o, die arme Welt, du wirst uns nie verstehen können!

Heute sind wir alle Pussys, alle Künstlerinnen der Welt, unsere ganze Kunst und unsere ganze Wahrheit sind diese guten Frauen, Nadezhda Tolokonnikova und ihre FreundInnen, ihr Kampf für eine neue, freie Welt, sollte für alle ein gutes moralistisches Beispiel sein, wie man gegen das unmenschliche Regime kämpft. Russland ist ein faschistisches Land schon. Solidarität statt Faschismus! Ich will, dass Sie, alle KünstlerInnen und moralische Menschen, da unten, Ihre Kommentare hinterlassen und/oder dieses Thema liken, dass Sie solidarisch mit Nadezhda Tolokonnikova sind! Wir brauchen mehr Kunst, mehr Protest, mehr Wahrheit, wir brauchen keine Kunst ohne Wahrheit, wir brauchen unsere Wahrheit für unsere Kunst, unsere Kunst für unsere Wahrheit und das alles für die Pussy Riot! Wir brauchen sowohl Kunst, als auch Wahrheit und wir brauchen die Pussy Riot, wir sollen uns immer an diese Frauen erinnern, Tag und Nacht, wenn wir wollen, wir können die Schlüssel ins Wasser werfen oder das russische Regime zwingen, Nadezhda in Ruhe zu lassen. Wir brauchen sie, trotzdem diese schreckliche Welt sie nicht verdient.

Mehr zum Thema: Gewidmet: Pussy Riot



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Gil Elvgren. Kunst und Wahrheit

17.11.2013

 

 

 

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