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Glück
Elftes Kapitel
Meine liebe, aber unglückliche Tochter, wir verabschieden uns von dir, aber wir werden dich immer in guter Erinnerung behalten. Meine Tochter, warum bist du weg? Warum hast du uns verlassen? Warum hast du deine Familie verlassen? Warum bis du gestorben? Um zu leben? Aber du lebst schon jetzt, in unseren Herzen und im Gottes ewigen Reich. Ich schenke deiner Mutter, der Kirche alles, was ich schenken muß, wie ich deinem Körper diese kleine rote Nelke schenke, die Blume des Todes, wie ich deinen Körper unserer fleischlichen Mutter, der Erde schenke. Diese kleine rote Blume, die so hübsch ist, wie du, ist leider nichts und wir wissen das. Asche zu Asche. Du bist für mich noch ein kleines Kind, ich sehe, wie du morgens in die Schule gehst, deine schönen Hausaufgaben, Prüfungen machst, wie du lachst, o meine Tochter. Warum bist du weg? Du bist für mich noch sehr jung, du bist für mich noch ein Kind. Ich will nicht daran glauben, daß du schon weg bist, daß du tot bist, während wir alle, älter sind, als du. Wir leben noch. O Magda. Warum hast du uns verlassen? Aber diese Beerdigung findet nur fiktiv statt, die Beerdigung ist fiktiv und wir wissen das. Die Würmer und Ameisen werden deinen schönen Körper nicht fressen können, es ist ausgeschlossen. Meine Tochter, o, meine Tochter! Aber macht nichts. Du wirst zu uns zurückkommen, meine liebe Tochter. Es ist ganz möglich, und wir müssen jetzt besser glauben, als nie zuvor, mein armes, ruhiges Kind (jetzt bist du endlich ruhig). Du bist jetzt in diesem entsetzlichen Sarg auch so liebevoll und lustig, wie immer und überall. Sei immer und überall, lebe im Tode, ohne Grenzen, ohne jedes Verbot mein einziges Kind. Aber ich glaube daran, daß du endlich deine ewige Ruhe gefunden hast, deine einzige und ewige Ruhe, die wir alle auch haben, und ich beneide dich, daß dir nichts wehe tut. Ich will alle positiv zwingen, dich zu schützen, damit du im Paradies glücklich lebst. Tun Sie bitte alles. Niemand kann dich schon abschieben, weil niemand kann dich ohnedies aus dieser Patsche ziehen. Ziehe dir deine ewige Kleidung an, vor deiner Beerdigung, vor deiner Einäscherung. Ich verurteile dich jedoch nicht. Ich bestelle für dich ein schönes Denkmal, das ist auch nicht genug, daß ich die besten europäischen (italienischen) Bildhauer einlade. Aber wozu brauchst du das schon? Ich liebe nicht, wenn jemand sich umsonst bemüht. Alles ist vergeblich. Aber dieses Geld ist wirklich nichts. Obwohl wir Gott schon genug gut kennen und wissen, wie neutral er ist, verweigern wir alles und wollen wir nicht etwas sehen, Scherz natürlich total beiseite. Jetzt übergebe ich nun das Wort dem Herrn Valeri Rondeli (du bist wirklich mein echter Sohn, Valerchen!), ihrem Mann, der viel zu sagen hat. Sprich bitte.
Von seinem Vater streng erzogen (nur im positivsten Sinne des Wortes), bleibt Magda als sehr ordentliche, ruhige, gehorsame, intelligente und, kurz gesagt, echte georgische Frau in meiner Erinnerung. Wenn ich an die Augenblicke denke, die ich mit ihr zusammen verbracht habe, will ich weinen und weinen, unendlich. Warum holt Gott immer so gute Menschen? Er braucht vielleicht auch etwas Gutes, wie wir. Wir sind auch seine Schafe. Es ist ganz wahr; wenn Sie sich dafür interessieren, können Sie auch bemerken, dass, wer gut ist, jung stirbt. Bei uns sagt man, Jesus brauche auch gute Menschen. Ich weiß, mein Leben ist schon tatsächlich vorbei, ich lebe nicht mehr, weil meine Frau, Magda keine andere Frau ersetzen kann, wesentlich niemand kann die Menschen ersetzen, Valeri wendet sich ans Publikum, an die schwarz vermummten Menschen, die gewöhnlich in der Kirche neben dem kostbaren Sarg mit feierlich traurigen Mienen stehen, neben dem Sarg, in dem keine Leiche liegt, sie flüstern und schütteln die Köpfe, aber sind froh, daß sie so beachtet werden, daß sie dieser Beerdigung beiwohnen dürfen. Das sind alle Bankbeamte, Amtspersonen und ihre Frauen, die auch scharfe Pistolen am Gürtel tragen, alle sind bewaffnet und reden unklar. in der Kirche riecht es nach Fichte, schwarzer Rauch steht im Saal, der Priester liest Bibel murmelnd und erinnert diese Tiere an die ewigen Wahrheiten, die unglaublich sind, meiner Meinung nach, diese Raubtiere hören ihm aufmerksam zu, dann manche von ihnen gehen zu ihm und versprechen ihm, dieses Gebäude sogar auf Selbstkosten zu renovieren, sie wollen nicht wahrscheinlich für alle Ewigkeiten in der Hölle bleiben, schwören, daß sie christlich leben, wenn sie sogar alle Befehle nicht erfüllen. Aber wir sollen nichts vergessen, runzelt Valeri seine breite Stirn und fährt fort zu sprechen, mein Leben hat von heute an wirklich keinen Sinn mehr. Ich habe keine Frau. Eigentlich, welche andere Frau kann ich noch finden? Sogar Keira Knightley, die Schauspielerin, die mir besonders gefällt, kann ich nicht mehr lieben, wenn ich an meine Magda denke. Komm zurück, bitte! Leider ist das unmöglich. Es ist auch unmöglich, glücklich zu sein. Magda, alle sind traurig, steh auf, aber wie kannst du aufstehen, dein Sarg ist doch leer. So. Ich habe alles gesagt. Alle verlassen den Saal und neben dem Grab im Kirchengarten wollen schon etwas mehr von Magda wissen und wiederholen leise mindestens dreimal: Asche zu Asche. Asche zu Asche. Asche zu Asche.
Ende
In einigen Tagen bekommt Valeri per Post eine kleine, schwarze Bestattungsurne, in der er wirklich die Asche seiner Frau findet. In der Wohnung ist niemand mehr. Er steckt seinen Schwanz in die Urne hinein, pinkelt in die Urne, lacht so sorgenfrei, wie ein unschuldiges Kind, dann öffnet die Tür der Klokabine und beobachtet, wie langsam die graue Flüssigkeit durchs kleine Loch rinnt und langsam mit der Unendlichkeit verschmilzt. Und sagt: bleib ruhig, Magda. Sogar der Tod kann uns jetzt nicht mehr scheiden.

Hieronymus Bosch. Garten der Lüste
16. 01. 2008
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