Ich stelle dir meine zwei Patienten gerne vor: Emanuel Wedekind fühlt sich beobachtet; Alex Marbaschvili kann ohne Medikamente nicht einschlafen. Er will nicht an Gott glauben, ist ein Atheist, Kosmopolit und fühlt sich sehr schlecht. Emanuel glaubt an Gott, sein Glaube ist sehr stark, er ist ein orthodoxer junger Mann, wie wir, alle, geboren in einer traditionellen georgischen und deutschen Familie. Er öffnet die Tür und schreit: bitte, kommt beide herein! Sie stehen auf und fragen ihn: wir, alle? Ja, ihr, noch wer? In dem Korridor ist niemand außer euch. Ich will ihre Fälle miteinander vergleichen. Alex, Emanuel und ihre Mütter setzen sich auf die Bank in seinem Arbeitszimmer und warten, bis er etwas sagt. Wir haben ihre Krankheiten erforscht, und sind zum Abschluß gekommen, daß es sich einfach nur um die Nervosität handelt. Aber jetzt will ich euch, meine Kinder, noch einige Fragen stellen. Das sind nur einfache Formalitäten, sie gehen nicht in ihre Geschichten. Mich interessieren ihre Glaubensfragen. Das ist sehr wichtig. Vor allem, mich interessiert Alex: warum will er nicht an Gott glauben, trotzdem er sich sehr schlecht fühlt? Ich sehe das. Er ist ganz hoffnungslos. Ja, er hofft wirklich auf nichts und ist sehr verzweifelt. Junge Frauen oder Männer, die ihre Frauen verlassen, oder noch irgendeine Katastrophe erleiden, sehe ich überall, solche Fälle sind mir bekannt, aber sogar sie verlieren nie die Hoffnung. Sie stehen jedoch zu stark auf ihren eigenen Beinen. Künstlerisch zu beschreiben, stehen sie auf ihren Beinen. Was ist los, Kinder? Ich verstehe, wir leben schon in keinem sicheren Lande, alle sind hier nervös, ihre Nervosität ist die Krankheit unserer Epoche, aber ich kann persönlich, zum Beispiel, Emanuel jedoch noch nicht verstehen (jedoch was für ein langweiliges Wort ist jedoch!). Warum fühlt er sich beobachtet? Welche Fragen beunruhigen Alex, was ist mit ihm los? Wie fühlt sich Alex in der letzten Zeit? Er hat keine Nervosität mehr, nein, antwortet ihn seine Mutter, er fühlt sich ruhig, ich sage, extrem ruhig und seine Ruhe beunruhigt mich sehr. Er hat kein Interesse für Leben mehr. Seine Schulkameraden studieren an Hochschulen, manche schon arbeiten und wollen besser und besser verdienen, dafür kämpfen sie mit ihren ganzen Kräften. Er ist begabt (jede Mutter lobt ihren Sohn, aber glauben Sie mir, ich sehe seine Fähigkeiten ganz objektiv), spricht fünf Fremdsprachen, spielt Klavier wunderbar, malt auch wunderbar. Einmal wollte er Komponist werde, nein, er schrieb einige Klavierkonzerte, aber schreibt jetzt nichts (ich will hinzufügen, daß er kein Klavier hat). Er will zu Hause bleiben, lebt in seiner eigenen Welt, sitzt und hat kein Interesse für alles, was wir manchmal geschmacklos und unerträglich finden. Sein persönliches Unglück. Einmal wollte sein Freund, der, übrigens, als Journalist tätig ist, seine persönliche Ausstellung organisieren. Aber er lehnt sein Angebot immer ab, bis heute. Er mag nicht, wenn jemand ihn lobt. Ich bin seine Mutter und verstehe nicht, was für ein Mensch er ist! Bis wann wird er zu Hause hocken und auf unseren Kosten leben (verzeihe mir, mein Kind, aber der Arzt braucht alles zu wissen)? Er wollte einmal Hirt werden, aber wir haben auch eine ordentliche Familie, das kann sein Vater bis heute nicht hören. Natürlich, ich will, daß mein Sohn irgendwo arbeitet, aber er will das selbst nicht verstehen. Er ärgert sich über uns, wenn wir über ihn mit jemandem in unserem Kreis sprechen, ich fühle das, trotzdem er nichts sagt. Er ist jedoch ein Künstler, seine Seele ist jedoch sehr zart (nein, er hat die zarteste Seele). Ich will ihn vor allen schlechten Frauen schützen, trotzdem, übrigens, ohnehin keine Frau ihn braucht und ihn liebt. Erklären Sie mir etwas, Herr Doktor David! Was ist mit ihm los? Er will niemanden mehr sehen. Das ist vielleicht sein Schicksal. Ich bin daran gewöhnt, daß er alles verabscheut. Alex will keine Familie haben. Naja, er hat noch keine Lust, irgendwo zu arbeiten. Eigentlich, wer braucht ihn so, ohne Familie?.. Wer braucht einen Mann, ohne Familie? Er will das nicht verstehen. Ich will ihm alles erklären, bis er noch jung ist, ihn davon überzeugen, daß sein Leben schrecklich ist. Sie sind ausgebildete Menschen, ich bin keine Autorität für ihn mehr. Ich weiß nicht, was er will, aber kann sagen, dass ich ihn, meinerseits, gut verstehe, fängt der Rektor an zu sprechen, der junge Mann erleidet seine erste Krise, besser gesagt, die erste psychologische Krise in seinem Leben. Das ist klar. Die Tatsache, daß ihm gut gelingt, über sich selbst wenig zu sprechen, zeigt seinen starken, unabhängigen, modernen Charakter; nur eine erfahrene Seele kann über ihre innerlichen Auseinandersetzungen relativ tief nachdenken, das kann ich auch sagen. Am meisten in seiner Geschichte beunruhigt mich das, daß er ein Atheist ist. Gott hilft uns, immer und überall, mein Kind, er läßt seine Töchter und Söhne (also uns) nie und nirgendwo im Stich, wach auf! Gegenüber ihm sind wir, alle, gleichberechtigt. Die Sache liegt darin, daß du noch zu jung bist, mein Kind. Einmal werden deine Enttäuschungen spurlos verschwinden, glaube mir! Manche Leute haben Angst vor dem Leben, du fühlst dich ganz sicher. Wir haben ein wenig Angst (ich gestehe), keine Moral, da wir sie, unsere Ängste, immer bestimmt und konkret vor etwas haben. Ja, wir leben jetzt in einer Gesellschaft, die keine Moral hat; das heißt, wir sind ganz frei und können alles tun. alles ist wirklich so, wie dieser Mensch spricht, sagt Emanuel, ich fühle das. Ich wußte nicht, daß du ein Atheist bist: niemand hat das Recht, an nichts zu glauben. Vielleicht liest der arme junge Mann extrem viele Bücher! Lies mein Kind alles, aber mach nichts mehr. Unsere Mädchen sind in der letzten Zeit unerträglich. Das ist auch wahr, stimmt ihm Emanuel zu. Nein, Sie verstehen nicht, ich bin weder Sprachwissenschaftler, noch Philosoph. Einfach, ich habe keine Lust mehr, mein Leben von außen mit etwas zu verschönern, es ist jedoch zu grausam und streng, und vernichtet zum Glück jede meine Zuversicht; wenn ich irgendwelche Niveauunterschiede nicht befriedige, die (es ist noch eine Frage, was wirklich wahr und was falsch ist), bin ich schuldig, einfach, ein schrecklicher Mensch, aber sind diese Leute, die alle Punkte, Wörter, Sätze in diesen Texten reflektieren, die sie nicht lesen, heilig? Ich weiß, sie sind Christen. Es tut mir leid. Sie denken nie daran, daß es mir mehr leid tut. Ich bin wirklich zu dumm, das will ich beweisen. Ausgerechnet diese Leute müssen mir lehren, was ich zu tun habe. Es kommt mir immer so vor, daß ich an einer Hochschule studiere, und meine Lektoren bereit sind, mich zu erschlagen, während sie ihrer ganzen verrückten Elite blind vertrauen. Wie kannst du hier so sitzen und sprechen?! Sagt der Rektor, steh auf! Alex bleibt sitzen. Es tut mir leid, daß ich dich wirklich zu dumm finde, sonst hätte ich dir lange gezeigt, wo wirklich dein Platz ist, sagt der Arzt, es tut mir leid, daß wir viele Augenzeugen haben… murmelt er. Das ist eure ganze ehemalige Sowjetunion, eure Kasernenordnung, mehr können sie nichts tun, sagt Alex und lacht, mir ist auch sehr interessant, wer zwischen uns mehr verrückt ist: ihr, trotzdem ihr von dem Kommunismus noch immer Unsinne reden, nur über die würdigen Leute lacht oder ich, ein Mensch, der mehr keine Illusionen hat, daß es, alles, jetzt, unmöglich ist. ich bin weder Sozialist, noch Materialist, noch Patriot, ich fühle mich immer sehr schlecht, wenn ich mir vorstelle, wie sie alle Ideen mißbrauchen; ihr wollt, jetzt, daß jemand euch fanatisch, ohne jede kritische Meinung oder Skepsis glaubt, wenn ihr Vorlesungen über ihre heiligen Schriften haltet. Das finde ich nicht christlich! Ist der Kommunismus unsere Zukunft?, aber die Verwirklichung ihrer Wahrheiten hängt ganz nur von unserem Gewissen ab. Es ist entsetzlich, wenn jemand ihn, wie es bei uns geschehen worden ist, wie seine eigene Religion betrachtet. Alex spricht und vergißt die Leute, die ihm nicht zuhören. Sie, alle finden solche Gespräche schon sehr altmodisch. Alex bemerkt das, mehr will ich hier nicht bleiben. Ich will weg, er will das Zimmer verlassen. Die Mutter versucht zu sprechen, aber Alex wartet nicht auf sie und verlässt das Zimmer allein. Er geht im Garten hin und her. In einer Halbstunde kommt Emanuel zu ihm. Alex sagt zu ihm: ich will alleine bleiben, bitte, laß mich in Ruhe. Er nickt, und beide gehen zusammen spazieren: seine Medikamente helfen mir, sagt Emanuel, vielleicht bin ich wirklich sehr krank, und weiß nichts davon selbst. Im Garten, hinter dem vergitterten, rostigen, schmutzigen Tor Nr. 2, unter der Gewölbe steht ein Auto, in dem Marie und Inge sitzen. Was machst du hier, Marie? Fragt Alex sie, ich wollte dich anrufen, aber hatte ich kein Geld und wollte mir mein Vater sein Handy auch nicht geben… Verzeihe mir, ich biete, nicht nur meinetwegen konnte ich dich anrufen!, verzeihe mir, ich biete, tausendmal. Dein Vater sagt, daß ihr bald das Land verlassen wollt. Ist das wirklich so? Laß mich in Ruhe, du bist verrückt, sagt sie, ich warte auf meinen Mann. Ja, ich fahre wirklich in einigen Tagen nach Moskau. Was stehst du? Du störst mich, kapierst du das? Er will mich ohnehin verlassen, sie hat schrecklich verzweifelte Stimme. Geh!, sonst werde ich die Polizei anrufen. Beide Mädchen lachen über ihn. Alex sagt nichts, kommt zurück und sieht seine Mutter, die der Rektor begleitet. Dein Sohn ist wirklich sehr begabt. sagt er zu ihr, er hat mir besonders gefallen… …Der Flughafen ist schon fertig, Wir bauen jetzt schon eine neue, moderne Eisenbahnstrecke, spricht er mit Schorena, die auch ein neues Wort in unseren europäischen Beziehungen ist. Vielleicht, werden unterwegs manchmal die Leute sterben, aber, eigentlich, wer fühlt sich in dieser Welt schon ganz sicher?! Wir versuchen die Zahl der künftigen Opfer möglicherweise zu vermindern, das ist unsere Pflicht. Es tut mir leid. Wir können leider nichts mehr tun. Ich fahre jetzt schon, Unsere Fußballmannschaft spielt, kämpft gegen die Türken. Wenn du nichts dagegen hast… Nein, antwortet Schorena, mein Sohn ist sehr krank, heute fahren wir beide nach Hause. Wir haben eine würdige Familie. Er ist so schwach, daß ohne mich keinen Schritt machen kann. Der Rektor sieht nervös aus, dann lacht und küsst sie, dann Marie, aber im Unterschied zur Mutter, länger. Alex hört alles, sieht, und sagt nichts. Emanuel fragt ihn: wer sind diese jungen, schönen Damen im Auto? Kennst du sie? Nein, ich habe sie mit anderen Menschen verwechselt… Antwortet er. Stehen wir nicht hier, diese Leute können alles tun. Was können sie tun? Sei nicht naiv, z. B. sie können uns direkt in diesem Krankenhaus verschließen, wie in unserer alten, schönen Zeit, antwortet Emanuel. Ich bin nicht so naiv, einfach, mir ist besser, zu schweigen, sagt er und weint, gehen wir irgendwohin, ich will nicht, daß diese Amtsperson oder jemand Tränen in meinen Augen sieht. Er gibt Alex die Rufnummer. Ruf mich an. Glaube an Gott! Sei nicht so traurig! Wir werden bessere Frauen finden, das verspreche ich dir. Die Frauen fühlen, wenn jemand an Gott glaubt. Alex schweigt. Seine Mutter ruft ihn an und sie gehen beide zu Fuß langsam. Dieser schwarze Mantel steht dir schrecklich, sagt sie zu Emanuel, das habe ich nur jetzt bemerkt. An der Bushaltestelle stehen alle nebeneinander, aber Emanuel spricht nicht mehr mit Alex, seine Mutter ist böse, die ihr Mann überall kontrolliert. Und geht das Leben wirklich weiter, oder?