Am Morgen öffnet Alex die Augen: die Mutter steht neben seinem Bett und weckt ihn mit ihrem “starken, aber fraulichen” Schlag. Erwache Deutschland! Sagt sie, ich habe Ilia schon angerufen. Er fährt gleich jetzt zum Glück nach Tiflis. Dieser arme Mann hat einfach zu viel zu tun, ist sehr beschäftigt, aber genug freundlich. Sie steht vor dem Spiegel und kämt sich die Haare. Dann noch einmal schreit sie ihn an: Verdammt! wach auf! Und sammelt seine Urkunden, die jemanden immer davon überzeugen können (natürlich, wenn wir sie unsererseits auf irgendwelchen schönen Prüfstand stellen wollen!), daß ein Mensch noch am Leben ist. Diese Leute können dann gemäß der Gesetze der Natur noch gerne an die Konkurrenz in unserer natürlichen Umgebung denken. Beide gehen ins Vorzimmer hinein. Der Vater wäscht sich die Hände auf dem Balkon und genießt kalte Sonnenstrahlen, die auf ihre Gesundheit besonders positiv wirken. Dann beobachtet er seine Sehnen in dem Spiegel, der an einem rostigen Hacken, direkt im Fenster hängt. Sie sprechen miteinander nicht, da am Morgen ihre Nerven nicht so gespannt sind, wie am Abend. Jede Speise schmeckt in dieser Zeit auch gut. Diese Leute wissen nicht, was „ein wenig normales Leben“ bedeutet, aber leugnen, daß sie reich sind, diese blöden und kostenfreien VerräterInnen ihrer Klasse in dieser Schule des Lebens. Sie sind fast immer sogar hungrig, aber lustig. Sie streiten immer um die Geschmacksfragen, das bedeutet, sie atmen und haben noch keine Angst davor, daß jemand sie missbraucht! Der Vater liest inzwischen viele Zeitungen, rasiert sich trocken, und erinnert sich mit ein Paar Worten wieder an die Armee: das ist schon eine alte Tradition. Beide warten auf Ilia, der den Vater ruft und seinerseits auf sie in seinem eigenen Auto wartet, bis die Mutter und Alex einsteigen. Sei ruhig, Anton, und trink nicht zu viel, sagt sie, deine Bohnensuppe steht im Kühlschrank, du kannst sie in jeder Zeit anwärmen, wenn du sie essen möchtest. Diese Leute sind sehr arm. Sie wohnen alle in ihrem alten, schönen Gavazi. Das Auto fährt. Ilia genießt die Musik: das ist eine georgische Pop-Gruppe; die lokalen Pop-Stars schreien und brüllen mit der ganzen Stimme in der schwangeren Kälte, als sie an den Pferden vorbeifahren, die sehr gut nicht verstehen, welche Figuren sie sind. Die Kirche steht in der Mitte des Dorfes, die sehr ein uraltes, abstraktes, von dem Menschen gebautes Folterlager ist. Ilia besichtigt Alex mit der Ironie, wie erstaunt er sitzt und wie er das Gesicht in den Mantelkragen zu stecken versucht. Schildkröte… Verrückter Irre… sagt Ilia leise, nervös und spuckt; gewisse Tröpfen fallen auf die Petersilie, die kaum noch atmet. Seine Energie sitzt die Musik in Betrieb. Er sagt etwas, aber verstehen sie nichts. Kleine Kinder gehen in die Schule, sie sind noch nicht ganz verdorben. Sie sprechen über Enten, die sie im Himmel sehen; sie lesen nicht die Bibel und sehen im Himmel keinen einzigen Gott, wollen den Winter vergessen. Kleine, schwarze Gossen unter seinen Füßen seufzen, während Ilia ihnen seine ewige Firmenanekdote erzählt. Alex kann nicht einschlafen, sitzt und raucht eine Zigarette. Warum schweigt ihr? Fragt Ilia sie lustig, Frau Schorena, was tun Sie jetzt in dem Krankenhaus? Ah, nichts, lacht die Mutter, wir putzen, putzen und bleibt das Gebäude immer schmutzig. Die meisten Kranken liegen jetzt in ihren Häusern, besser gesagt, in ihren Betten fühlen sie sich besser. Aber wer ein bißchen Geld hat, fährt nach Tiflis, wie wir, jetzt. Ich habe den Lohn bekommen und fahren wir jetzt zum Arzt. Alex ist krank. Was ist mit ihm los? Fragt er sie biegt sich nach rechts, er sieht sehr gesund aus. Ah, er hat wieder ewige Probleme mit seinen Nerven. Ich versuche ihn immer davon zu überzeugen, daß es ungesund ist, an etwas Unerreichbares zu denken. Viel Denken macht wirklich krank, aber er glaubt mir nicht. Doch, sagt Ilia, woran denkst du immer so verzweifelt? Wieder an diese Frauen? Er lacht. Zuerst die Pflicht, dann das Vergnügen, wiederholt er. Pfui, diese Autos fahren sehr schnell, es ist sehr gefährlich: die Leute sind schrecklich unordentlich. Er bremst plötzlich und schimpft über einen dicken und lustigen Wagenführer, der sich in einem roten Auto mit einer alten Frau unterhält und mit der rechten Hand, schreiend am Steuer seine Gewalt demonstriert. Alex ist zu jung. Ich bin schon dreißig Jahre alt und sorge schon für nichts. Du hast eine gute Arbeit, er ist arbeitslos, sagt die Mutter und schaut sich ihren Sohn mißtraurisch an. Eigentlich, ich verstehe nicht, was mit ihm los ist. Ja, vielleicht ist es wirklich besser, ihn einem guten Spezialisten in der Hauptstadt zu zeigen. Ja. Deswegen sind wir hier. Antwortet ihn die Mutter. Alex _ wenn er etwas gegen seine ewige Nervosität nimmt, spricht immer, er fühle tödlich gelassen. Das ist, verstehst du, heute sehr modisch: unsere Jugend, wenn ihnen etwas nur ein wenig nicht gefällt, sagt immer dieses Wort. Aber in unserer Zeit war alles nicht so, wie heute. Alles war planiert, wir wussten genau, was wir tun müssten. Ja, wir hatten damals auch sehr viele Probleme, aber waren wir lustiger. Das ist ziemlich beunruhigend und deprimierend. Zum Glück, sind alle Menschen nicht krank; sie sind ganz gesund; diese Kategorie ist zu wenig: Solche Menschen, wie Alex, träumen von etwas, träumen und… Bum bum! Werden gebumst. Er drückt die Verrücktheit und den Tod mit einem einzigen Wort aus. Jede Tragödie ist nicht schlecht, sie hilft uns! Und reißen wir uns besser zusammen, wenn etwas wirklich Tragisches passiert… Pfui, Wo hast du Augen, im Arsch selbst Arschloch? …Ja, wovon spreche ich jetzt? Frau Schorena, verzeihen Sie mir! Er kehrt seinen Daumen zur Erde und zeigt ihn einer vierundzwanzigjährigen Frau, die am Steuer sitzt und singt. Diese Straßen sind jetzt nicht so schlecht, wie gestern. Ja. Was habe ich gesagt? Ja, wir mobilisieren unsere innerlichen Kräfte, wenn jemand uns im Stich läßt. Das ist, übrigens, sehr gefährlich. Vor etwa vier Jahren behauptete er, sei Postexistenzialist und Kosmopolit. Du sprichst nur das, was du willst, akzeptierst das, was nur dir gefällt, hast keine Muttersprache, sprichst so, wie du willst. Egal. Alles ist dir ganz egal, was jemand über dich sagt. Dich kenne ich sehr gut, mein Freund! Ja, ich kenne dich gut. Aber wer bist du denn? Warum schweigst du? Er sieht Alex an. Ja, jetzt bist du wirklich eine Schildkröte. Alex lacht. Jede Phillosophie ist nur darum wichtig, weil wir sie zur Lösung von irgendeinem praktischen Problem brauchen, er wartet, was Alex sagt. Ja, das ist wirklich so, stimmt er ihm ruhig zu, manchmal glauben wir, daß uns etwas bekannt ist. Nur das Wissen kann uns leider nicht helfen. Schwieriger ist es, etwas beizubehalten, als zu gewinnen. Ja, aber bist du ein Postexistenzialist und jetzt auch kein Existenzialist mehr? Zwischen diesen zwei Begriffen gibt es einen großen Unterschied. Das merke ich mir gut. Ich bin kein Philosoph; ich bin ein dummer, nein, verrückter Mann! Deswegen sitze ich jetzt in diesem Auto. Er, MEIN Arzt, beobachtet mich, will, daß ich in einem Brief, den ich immer schreiben muß, _ wenn wir, beide, ihn besuchen, alles beschreibe, sage, was ich weiß, aber weiß er nicht, daß es unmöglich ist. Ja, es ist lächerlich. Ich bin nicht klug!, aber das kann auch vielleicht kein Genie tun. Konnte Albert Einstein, im 20. Jahrhundert, mußte er seine Theorie nur mit ein Paar Worten, einem Satz schreiben?! _ Jedoch versteht sie bis heute sehr wenige Leute. Alle schweigen. Sie fahren am Denkmal des eisernen Hahnes vorbei. Ilia zeigt ihnen den Rest des Denkmals, _ ich kenne einen verrückten Mann in Kvareli. Die ganze Nacht hatte er unter diesem Hahn verbracht (er wollte am morgen seine Stimme hören). Und wir hatten über ihn dann zu viel gelacht (damals war ich nur neunzehn). So. In Tiflis steigen Alex und seine eigene Mutter in der Rustaveli Avenue aus und gehen zu Fuß zum Psychologen in Avlabari. Ärgerst du dich, noch, über ihn? Fragt sie ihn, Ilia, mein Sohn, ist nur ein Buchhalter, trotzdem er sich manchmal zu viel einbildet. Nein, ich bin ihm nicht böse, sagt Alex. Ich fühle mich schrecklich, aber ich kann leider schon nie vital und jemandem böse sein. Es tut mir leid. Er lacht. Warum bist du so ruhig? Mein Kind?! Ich habe nichts. Selbst mein Körper gehört mir nicht: da ich ein wenig jünger bin, als diese Leute, die uns zwingen, die Welt mit ihren Augen zu beobachten, die sehr nervös sind, daß nur ein einziger Mensch, verstehst du, jemand alles, was sie machen für die größte Dummheit hält. Jetzt gehe ich zu diesem Idioten selbst, der sich alles merkt, was ich sage, diese, von mir geschriebenen Blätter in seiner eigenen Schatzkammer aufbewahrt, aber kein Gewissen hat, mich nur zu einem Glas Tee einzuladen, wenn wir uns über etwas unterhalten, und wenn ich hungrig bin, aber das ist schon etwas mehr, als einfach meine Unterdrückung: wir gehen selbst zu ihm, zu Fuß. Sprich nicht so häßlich! Sagt die Mutter, liebe auch ihn. Diese Leute wissen sehr gut, was sie tun. Er ist selbst der beste Psychologe in der ganzen Stadt. Ich habe nichts dagegen, daß er etwas wirklich weiß, wie jeder Schurke. Das ist zum Glück nicht genug. Die Tatsache, daß ich über ihn lache, ist nur meine Sache. Ich denke lange an ihn. Ich hasse ihn nicht. Viele Begabungen habe ich leider noch nicht, sonst hätte ich ihm schon lange geholfen. Sie wollen nicht verstehen, daß ihre Bildungs- und Ausbildungssysteme nicht nur sinnlos, sondern nicht mehr modisch sind (der erste Grund ist wirklich nicht genug!). Die Mutter besichtigt die im Warenhaus ausgestellte Möbel und hört ihm nicht zu.